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Die Geschichte (update am 14.08.2010 und 28.01.2012)
dieser Webseite steht vor einer überraschenden Wendung: Ein Leser, der es ganz genau weiß, wird die Lüpke-Story erzählen. So viel sei schon einmal verraten: Georg Lüpke senior, der Leiter der Lehrwerkstätten, und Georg Lüpke junior, der Erbauer des Gleissystems, sind Vater und Sohn. Zunächst aber erst einmal die Geschichte der Lüpke-Gleise so, wie sie sich bis jetzt dargestellt hat: Die Bilder auf dieser Seite zeigen das H0-Gleissystem, von dem bekannt ist, dass es aus Osterode im Harz stammt, dort vom Modellbauer Lüpke entworfen und produziert und vermutlich auch vertrieben wurde. Die Gleise umfassen jeweils den vollständigen Oberbau, das heißt das Schotterbett, die Schwellen und die Schienen. Die Bettung besteht aus Holz mit typischem trapezförmigem Querschnitt, einer aufgeklebten Gleisschotter-Imitat-Oberfläche, die sehr echt wirkt. Die dunkelbraun kolorierten Holzschwellen sind vermutlich Teil des Bettungskörpers. Jedes Gleis beginnt und endet mit einer Schwelle, sodass zwei Gleise an ihrer Kontaktstelle jeweils eine Doppelschwelle verursachen, was tatsächlich vorbildgerecht erscheint, schaut man sich Original-Gleisanlagen an. Auf der Unterseite der Holzbettung ist jeweils eine Korkschicht zur Geräuschdämmung angebracht, die an den Gleisenden jeweils ein Stück kürzer gehalten ist als das hölzerne Gleisbett. Hier sind die Kontakte angebracht, die über unterschraubbare rechteckige Pertinaxplättchen mit federnden Metallösen die elektrische Verbindung der Gleise untereinander sicherstellen. Gleichzeitig kann an jeder Gleisverbindung über diese Ösen Strom eingespeist werden. Somit entfällt eine separate "Stromschiene", wie sie aus anderen Gleissystemen bekannt ist. Die Pertinaxplättchen stellen gleichzeitig durch das Unterschrauben eine feste mechanische Verbindung sicher, Schienenverbinder entfallen damit. Trennstellen werden einfach durch die Verwendung von Plättchen ohne Metallösen realisiert. Das gesamte System macht den Eindruck einer extrem detailliert ausgebildeten und handwerklich sehr hochwertigen Arbeit aus der Nachkriegszeit. Die Profilhöhe und -Breite ist wohl das niedrigste und zierlichste, was es zu dieser Zeit gab, und dadurch erklärt sich zusätzlich der hervorragende Gesamteindruck des Gleises. Trotzdem ist das System, zu dem auch Weichen, Bahnhofsbettungen, Doppelkreuzungen und 5 verschiedene Kurvenradien gehören, auch mit alten hohen Spurkränzen problemlos befahrbar, was durch das Weglassen des Kleineisens ermöglicht wurde. Dieses wiederum ist das einzige wirkliche Manko der Gleise, schmälert den hervorragenden Gesamteindruck aber nur unwesentlich. Soweit zum Gleissystem.
Wer aber ist oder war sein Erbauer? Die Gleise sind an ihrer Unterseite beschriftet mit "Lüpke-Modell Nr..." oder an anderer Stelle mit "Lüpke, Osterode/Harz". Aus Osterode stammt ein Modellbahnbuch von 1950 mit dem Titel "Der Eisenbahnoberbau im Modell" von einem Georg Lüpke. Wir werden kaum fehlgehen, wenn wir in ihm den Konstrukteur des gleichnamigen Gleissystems vermuten. Zumindest ist der erste Band im Internet mit folgenden Charakterisierungen verkauft worden: "Osterode: Modellbau Georg Lüpke, 1950. 20 S., mit einer ganzseitigen s/w-Abbildung und 9 Illustrationen". Leider ist mehr darüber nicht in Erfahrung zu bringen. Wer aber ist Georg Lüpke? Besaß er eine Produktionsstätte, oder sind die Gleise Kleinserien oder gar Einzelstücke? Wo wurde das System verkauft? Keine Modellbahnzeitschrift erwähnt Georg Lüpke auch nur mit einer Silbe. Bei der Recherche trifft man weiterhin auf einen Georg Lüpke aus Osterode, Leiter der dortigen gleichnamigen Schulwerkstätten, der in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts grundlegende Literatur zu neu entwickelten Schrifttypen im Bauhaus-Stil sowie umfassende Werke zur Farbspritztechnik vorgelegt hat, ein früher Graffiti-Künstler also. Seine Bücher stehen im Antiquariat gleichwertig neben denen der Bauhaus-Architekten wie Gropius und van der Rohe. Im Telefonverzeichnis von Osterode 1937 findet sich folgender Eintrag: "Lüpke, Georg, Schulwerkst., Bergstr. 1, Telephon-Nr Osterode 349".
Marcel Schwab, der sich als Profi mit der von Georg Lüpke erstmalig publizierten Farbspritztechnik und seinem Erfinder beschäftigt, hat ein weiteres Buch gefunden, in dem die Lüpke-Gleise erwähnt sind: "Kurz, H.: Grundlagen der Modellbahntechnik - Band I - Gleis und Fahrzeuge im Massstab 1 : 87. Fachbuchverlag, Leipzig 1. Auflage 1956." Leider sind die Lüpke-Gleise dort nur im Vergleich mit anderen Systemen textlich und abbildungstechnisch auf lediglich 4 Seiten erwähnt, ohne dass auf den Erbauer eingegangen wird. Als kleiner vielleicht weiterführender Hinweis kann gelten, dass das Lüpke-System im Zusammenhang mit "hochwertigen Lehranlagen" erwähnt wird. Hat möglicherweise Herr Lüpke in seinen Werkstätten ein Gleis entworfen, was zur Herstellung von Lehr-Modellen diente? Vielleicht zur Ausbildung angehender Eisenbahner in der DDR?
Diese Webseite war eigens dazu eingerichtet die Fragen zu klären: Wer ist dieser Modellgleisbauer Georg Lüpke und wie verhält es sich mit seinen Supergleisen? Inzwischen gibt es Licht am Ende des Tunnels: Georg Lüpke senior betrieb die Lehrwerkstätten und kann wenn auch vielleicht nicht als alleiniger Erfinder, so doch als vehementer Promotor der Farbspritztechnik angesehen werden. Sein Sohn Georg Lüpke junior ist der Erbauer des Gleissystems, das er in der Nachkriegszeit von Osterode aus vertrieb. Zumeist wurden damit ganze individuell gestaltete Anlagen verwirklicht. Die Erwähnung der Lüpke-Gleise im oben genannten Fachbuch aus Leipzig beruht vermutlich nicht auf einem entsprechenden Kontakt zwischen dem Buchautor und Georg Lüpke, gleichwohl könnten die Gleise für eine Reichsbahn-Lehranlage zu Ausbildungszwecken verwandt worden sein, auch wenn es unwahrscheinlich anmutet, dass ausgerechnet Handarbeit aus Westdeutschland in der ehemaligen DDR dafür Verwendung gefunden haben sollte. Lehranlagen gab es auch bei der Deutschen Bundesbahn. Die Anlage in München verwandte Fleischmann-Gleismaterial wie übrigens die Demo-Anlage im Deutschen Museum auch.
Viele Details zum Modellgleisbau in Osterode fehlen noch, auch wenn das Osteroder Stadtarchiv und die Familie von Georg Lüpke jun. inzwischen sehr zur Information der Modelleisenbahner-Gemeinde beigetragen haben. Vielleicht können wir eines Tages die
ganze Geschichte hier veröffentlicht sehen, die übrigens in ihren Anfängen sehr viel Ähnlichkeit hat mit der Geschichte von Stephan Schaffran senior und Stephan Schaffran junior, die in den späten vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in ihrer Garage gemeinsam Modellbahngleise gebaut und verkauft haben. Der große Unterschied der beiden Geschichten liegt zum einen in der Qualität der Modellgleise: die Schaffran'schen Drahtleitern konnten den Supergleisen von Lüpke in dieser Hinsicht nicht das Wasser reichen und landeten folgerichtig in den Händen von Spielkindern, während die Lüpke-Gleise zur realistischen Anlagengestaltung bei gut betuchten Modellbahnern Aufnahme fanden. Mit dem Qualitätsunterschied ist auch gleich eine Differenz im Herstellungs- und Wiederverkaufspreis plausibel gemacht, weshalb in der Familie Schaffran viel mehr Gleise gebastelt werden mussten als in der Familie Lüpke, wollte man einen vergleichbaren Umsatz erzielen. Und noch zwei Unterschiede scheinen erwähnenswert zu sein: Stephan Schaffran junior war 16 Jahre alt, als er 1933 nach ausgezeichnetem Abschluss einer Gesangsausbildung in den Garagenbetrieb seines Vaters eintrat, der bis dahin so là-là als Werkzeugmacher über die Runden gekommen war. Der Junior war also Sänger. Georg Lüpke juniors Berufsbezeichnung lautete Architekt, und seine Werkstatt stand in Osterode/Harz. Die Garage der Schaffrans stand auf der anderen Seite des großen Teiches, in Newark, New York. 1947 bezogen Schaffrans ihr erstes Produktionsgebäude in Hillside, New Jersey. Am 30. September 1949 gründeten Vater und Sohn die Atlas Tool Company, heute noch einer der größten Modellbahnhersteller in den USA und weltweit.

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