Die Eisenbahnbrücke 4951
Eisenbahnbrücken gab und gibt es von Faller in den verschiedensten Ausführungen, separat dazu wurden und werden passende Auffahrten angeboten, denn irgendwie müssen die Züge ja auf die Brücke gelangen. Passende Pfeilersysteme zum Aufeinanderstecken oder Kürzen gehören dazu.
collection clasen
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Für das Überqueren der AMS Autostraßen brachte Faller 1964 eine spezielle Eisenbahnbrücke heraus, die die gleichen Pfeiler verwandte, wie sie für die Straßenüberführungen im Einsatz waren. Die Brücke bestand aus sechs gebogenen (ein Halbkreis) und vier graden Trassensegmenten, letztere davon mit zwei Gitterbögen versehen, die übrigen bildeten Auf- und Abfahrt. Die lichte Höhe betrug gut vier Zentimeter, was für Fahrbahnen und Autos damals ausreichte, allerdings mit Erscheinen des Kranwagens und des Muldenkippers auf den AMS-Straßen den Besitzern fest montierter Anlagen Kopfzerbrechen bereiten konnte. Der Kreisdurchmesser passte sowohl zu Märklin- als auch zu Fleischmann-Gleisen, die Steigung betrug 1cm auf etwa 18cm, also etwas mehr als fünf Prozent. Bei den Graden mussten die Fleischmänner allerdings stückeln, denn die normale Grade misst bei Fleischmann 20cm.
Vier Segmente brachten die Bahn von null auf vier cm Höhe, zwei bildeten die eigentliche Brücke, und vier führten wieder hinab. Ein kleines Problem aller Brückenkonstruktionen ähnlicher Bauart ist der
Knick, in dem die Gleise bei der Einfahrt in die Steigung und mehr noch beim Erreichen des Brückenscheitels zwangsläfig verlegt sein müssen. Ist unten bei Steigungsbeginn noch eine eingeschränkte Ausrundung möglich, so wird das auf der Brücke selbst nur schwer zu erreichen sein. Ein wenig Abhilfe schafft man, wenn die beiden Pfeiler der Brückenköpfe jeweils etwas eingekürzt werden, am leichtesten durch Weglassen der grauen Fundamente - zugegebenermaßen optisch gewöhnungsbedürftig. Fleischmänner oder neuerdings auch Märklinisten mit flachen Gleisen haben es da leichter: Sie können durch Unterlegen von verschieden dicken Pappe- oder Holzstreifen eine passende Ausrundung erreichen, sodass auch lange Lokomotiven sicher die Auffahrten meistern.
Insgesamt zehn Trassensegmente bedeuten neun Pfeiler, also anderthalb Fundament-Spritzlinge und zwei Spritzlinge Lagerplatten plus eine extra, neun Pfeilerköpfe, fünf 2cm-Pfeilersegmente und fünf 1cm-Pfeilersegmentee, und genau so waren die Originalpackungen bestückt, wenn auch heute meistens die Spritzlinge fehlen. Mit Rücksicht auf die Länge der Pfeilerkopfschrauben waren alle 1-cm-Teile und wenigstens zwei der 2-cm-Teile mit entsprechenden Öffnungen versehen, im Bild oben sind die Öffnungen in allen Pfeilerteilen zu sehen.
Die Lagerplatten, oben eine Ansicht von unten (klar: oben ist unten!), besitzen eine halbkugelförmige Aufnahme für die Pfeilerkopfschrauben und zwei sechseckige Aussparungen für die Lagerplattenschrauben. Die Halbkugel-Aufnahme dient dazu einen Neigungswinkel der Bahntrasse einzustellen und mit der Schraube zu fixieren. Das gleiche System wird bei den Pfeilerköpfen der AMS-Autobahn verwandt. Mit den Lagerplattenschrauben werden die Trassensegmente befestigt, die Aussparungen nehmen die passenden Sechskantmuttern auf. Die Schrauben weisen sehr schmale Schlitze auf, sodass die weitaus meisten Brücken zu Weihnachten vermutlich mit Hilfe von Mutters Küchenmessern zusammengewerkelt wurden, weil ein derart schmaler Schraubendreher eher selten im Haushalt vorhanden war. So lässt sich die Schraube nicht wirklich sicher befestigen, weshalb sie folgerichtig heute auch meistens nicht mehr vorhanden ist. Gelegentlich behalf man sich mit Festkleben der Lagerplatten zumindest an einem Trassensegment oder mit kleinen Blechschrauben und separat gesetzten Vorbohrungen. Beide Methoden erlauben wiederholten Auf- und Abbau der Brücke. Waren die Pfeilerkopfschrauben immer von der gleichen Art (lange Schraube, Vierkantmutter), so gab es von den Lagerplattenschrauben mehrere Variationen: im Bild zu sehen ist die Messing-Variante, Schrauben und Muttern existieren aber auch geschwärzt oder vernickelt.
Die korrespondierenden Innenseiten 2 und 3 der "Instruction", wie Faller seine Aufbauanleitungen nannte, zeigen den einfachen Aufbau, verschweigen allerdings das Problem einen passenden Schraubendreher zu finden. Die Pfeilersegmente sind noch in ihrer ersten Form ohne Öffnungen dargestellt. Diese erste Form ist jedoch als oberes Segment direkt unter dem Pfeilerkopf nicht verwendbar, weil die Pfeilerkopfschrauben so lang sind, dass sie nur schief eingebaut werden könnten. Damit hätte die Bahntrasse eine Dauerschieflage. Nun ja, Details waren nicht so wichtig, schließlich hat Spielen ja viel mit Ausprobieren zu tun. Als Größenvergleich liegt die Original-Lagerplatte jeweils im Bild.
Seite 1 der Instruction zeigt neben dem Titelbild eine schematische Darstellung der Brückenhöhen, in der sich die oben genannten Knickstellen sehr gut erkennen lassen. Die Brückengeländer und die Gitterbögen werden einfach eingesteckt und nur ggfs angeklebt. Erstere sind aus gummiartigem Plastik und existieren in drei verschiedenen Längen: kurz (sechs St. innerer Kreisbogen), mittel (vier St. Grade) und lang (6 St. äußerer Kreisbogen).
Ein Blick auf das Deckelbild zeigt, welche Arbeit man sich für ein gutes Foto bei Faller gemacht hat: wenn auch der Anlagenaufbau sicher "fliegend" geschah, so hat das Bild doch einen sehr werbewirksamen Charakter. Unter anderem ist ein speziell für Fotoaufnahmen lackierter Porsche 356 zu sehen. Die Fahrbahnränder sind sorgsam mit grünem Streumaterial der unterliegenden Schaumstoffmatte farblich angepasst, und der Grünstreifen zwischen den beiden doppelspurigen Fahrbahnen ist fast ausgefüllt mt Streumaterial. Warum wurden nicht die Böschungen 4070 verwandt? Vielleicht hat man deshalb darauf verzichtet, weil der Brückenpfeiler nicht genug Platz findet zwischen zwei Böschungen, wenn die Fahrbahnen im "Autobahnabstand" verlegt sind. Die Mittelstreifen 4081 bieten keine echte Alternative, denn sie erhöhen den mittleren Brückenpfeiler um 0,7cm. Lässt man ein Pfeilersegment (1cm) weg, ist der Pfeiler um 0,3cm zu niedrig. Erbauer von Autobahnmodellanlagen suchen weiter nach eleganten Lösungen, denn eine Erhöhung des Pfeilerfundaments wirkt ein wenig plump. Im Übrigen besteht der mittlere Pfeiler aus zwei 2cm-Segmenten und dem Kopfsegment, also ließ sich ohne Hinzukauf eines Pfeilerverlängerungs-Satzes garnichts verändern, es sei denn, man neigt zu radikalen Lösungen und bemüht die Laubsäge. Das bedeutete allerdings nur eine Veränderung an einem 1-cm-Pfeilerteil, welches heute (2007) immer noch preisgünstig zu erhalten ist - also kein wirkliches Problem.
Die zeichnerische Darstellung der Draufsicht ist übrigens fehlerhaft: angedeutet sind fünf (statt vier) grade Trassensegmente und fünf (statt sechs) Bogensegmente, im Katalog ist die Brücke allerdings richtig beschrieben.
Der Kartondeckel offenbarte auf den Seiten und Stirnseiten keine Neuigkeiten, wenn man davon absieht, dass hier das Deckelbild ein wenig mehr von dem Fotodiorama zeigte als auf dem Deckel selbst. Auf einer Stirnseite war zu Zeiten der Preisbindung noch der Wiederverkaufspreis eingedruckt, der 1964/65 DM 9,75 betrug und bis zum letzten Verkaufsjahr 1969/70 auf DM 12,50 anstieg.
Die 4951 scheint nicht so häufig gekauft worden zu sein. Die AMS-Autobahnen verliefen in der Regel innerhalb der Eisenbahnovale, eine Brücke über die Eisenbahn war sicher häufiger als eine echte Eisenbahnbrücke, zumal der Scheitelpunkt wegen der gleichlangen Gitterbögen nur in einer mindestens 18 cm langen Graden verlegt werden konnte. Mit ein wenig Einfallsreichtum passt die Brücke dennoch auch an den Rand einer 2x1 m großen Eisenbahnanlage, aber vielleicht war das Rauf und Runter mit der Eisenbahn nicht so beliebt wie mit den Autos, was ja dem Vorbild durchaus nachempfunden sein kann. Deshalb ist die Brücke 4951 im Originalkarton heute ein seltenes Stück, zumal wenn alle Schräubchen noch vorhanden sind.
Die 4951 ist auch heute noch preisgünstig, bedenkt man, dass Auffahrts- und Abfahrtsrampen gleich mit im Bausatz enthalten sind, die sonst zu jeder Brücke hinzugekauft werden müssen. Gönnt man sich noch ein paar Pfeilerverlängerungen, dann reicht es sogar zur Überbrückung einer Eisenbahnlinie. Wenn man den Steigungswinkel nicht steiler gestalten möchte, bildet man vorbildgerecht den Steigungsbeginn jeweils als kleinen Damm aus. Eine entsprechende Ausrundung der Trasse behebt damit gleichzeitig das Problem der basalen Knickstellen.
Ein vollständiges Exemplar der 4951 im Originalkarton ist von collection clasen zu erhalten, ob es noch im Angebot ist, können Sie beim Auktionshaus
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