Kapitel Drucktastenschalter 4034: Teile, Funktion, Varianten zwischen 1966 und 1980, Anschlussmöglichkeiten
Als Faller 1967 das Schaltpult 4030 durch das Universalschaltpult 4019 ersetzte, fehlte diesem neuen Universalgenie eine Möglichkeit zum Schalten der Weichen, die im alten nicht so universalen Pult bereits vorhanden gewesen war. Also musste ein Schalter her, oder besser gesagt ein Taster, denn der Strom für die Weichen durfte nur kurzzeitig fließen, damit die nicht zerstört wurden. So einen Impuls-Schalter nennt der Elektriker Taster im Gegensatz zum Schalter, mit dem man Dauerstrom ein- oder ausschaltet. Also zwei solcher Taster waren ja im alten Schaltpult 4030 vorhanden gewesen, und da zwei Mitspieler immer zwei Schaltpulte bedient hatten, hatten ihnen auch vier Taster zur Verfügung gestanden. Vielleicht bekam deshalb der Drucktastenschalter 4034 vier Knöpfe zum Tasten und Schalten in die Wiege gelegt. Im Gegensatz zu den Knöpfen auf dem Schaltpult 4030, die reine Taster für den Momentkontakt dargestellt hatten, ließen sich die Knöpfe im Drucktastenschalter 4034 durch eine leichte Drehung in Schaltstellung feststellen, wirkten dann also als Dauerkontaktschalter. Insofern ist die Bezeichnung Druck-Tasten-Schalter eigentlich seeeehr korrekt, denn man konnte drücken, tasten und schalten. Da man zum Schalten auch noch drehen musste, hätte das Ding eigentlich Drucktastendrehschalter heißen müssen, aber man kann auch alles übertreiben. Zunächst waren die Drucktasten blaue runde Stempel mit einer Nut im Kopf, vielleicht um sie auch mit einem Schraubendreher drehen zu können, falls die Finger zu ungelenk gewesen sein sollten. Wie bei Fallers weiland üblich, kam der 4034 in einer gelben Schachtel mit Banderole zum Verkauf. Später erhielten die blauen Knöpfe noch kleine Rotkäppchen, wie süß! Damit war es auch etwas plumpen Vorderpranken möglich an den Dingern zu drehen ohne in den Ruf eines Spielverderbers zu gelangen. Die Blisterverpackung kam zuletzt, sozusagen in der "blauen Periode", also irgendwann in den Siebzigern. Sonst änderte sich nichts am Gerät außer der Farbe der Buchse an der Seite, die wechselte von gelb auf dunkelschmutzigorange oder was auch immer, aber die Funktion blieb identisch. Immerhin ließen sich damit vier Magnetartikel bedienen, also passten vier Weichen an ein 4034. Die Weichen besaßen eigentlich jeweils zwei blaue Kabel passend für zwei Schaltpulte 4030, womit jeder die Weiche von seinem Pult aus hatte bedienen können. Nun musste man sich die Klaviatur auf dem recht kleinen 4034 teilen, was bei zwei Erwachsenenhänden, die gleichzeitig ihre Abzweigungen stellen wollten, schon einmal ins Fingerhakeln ausarten konnte. Zudem musste der Drucktastenschalter für beide erreichbar sein. Das hört sich leichter an, als es sein konnte. Zu Weihnachten, wenn die Anlage zusammen mit der Eisenbahn auf dem Boden aufgebaut war, spielten Heinz und Hans immer so, dass sie einander gegenüber saßen, lagen, hockten oder wie sie irgendwie sonst sich das unter Schreibtisch, Esstisch und zwischen Erwachsenenstühlen so bequem wie möglich machen konnten. Mit dem eigenen Schaltpult war jeder sein eigener Herr gewesen, mit dem Drucktastenschalter kam sofort die Frage auf, wo der nun hinzustellen war. In Reichweite von Heinz passte Hans nicht, in Reichweite von Hans passte Heinz nicht, und in der Mitte der Anlage, dort, wo kein Kinderarm hinreichte ohne alles durcheinanderzubringen, passte beiden nicht. Das waren Probleme! Wer die nicht versteht, hat die H0-Welt am Abend des ersten oder spätestens zweiten Weihnachtsfeiertages in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts im zweiten Jahrtausend unserer Zeitrechnung nicht wirklich kennengelernt.
Abgesehen davon, dass der Weihnachtsmann oder jedermann, der sich dafür halten musste, zur Beschaffung eines neuen Faller AMS 4034 Drucktastenschalters einmal mehr in die Tasche zu greifen hatte (DM 3,25), war das eigentlich ein praktisches Teilchen und ist es immer noch. Im Neuheitenprospekt von 1966 hat Faller den Vierfachschalter noch gelb dargestellt, später war er immer wirklichkeitsnah grau abgebildet. Das aktuelle (2009) Nachfolgemodell von Faller hört auf die Bezeichnung "180622 Schaltpult", besitzt drei Taster/Schalter und kostet schlappe Euro 19,90, umgerechnet also ca. DM 39,00. Das entspricht etwa einer Verzinsung von knapp fünf Prozent, pro Taster/Schalter gerechnet sogar fast sieben Prozent, und das über die gesamten vierzig Jahre. Da liegen wir doch mit dem gebrauchten 4034 aus der Bastelkiste nicht schlecht, oder? Nun gut.

Das relativiert dann zumindest die Preise, die heutzutage für ein gebrauchtes AMS 4034 verlangt werden. Die alte Technik war so simpel wie wirkungsvoll. Ein Kabel führte vom 4034 zum Trafo und holte von dort einen Pol der Wechselspannungsversorgung. Faller hatte dazu das mit der gelben Farbe bestimmt und jedem Drucktastenschalter ein solches mit zwei gelben Steckern in die Verpackung hineingelegt. Der Pol mit dem braunen Kabel führte unmittelbar vom Transformator zur Weiche. Wurde nun die Weiche über ihr blaues Kabel mit dem gelben Pol verbunden, machte es "Klick". Bei Bill Gates hat es viel später einen Doppelklick gegeben, der war ungleich gewinnbringender. Im Inneren (des Drucktastenschalters, nicht von Mr. Gates) geschah nun diese wunderbare Vereinigung von gelb und blau per Knopfdruck. Das ist schon die gesamte wissenschaftliche Darlegung der Druck-Tasten-Dreh-Schalter-Technik. Einzelne 4034er-Einheiten ließen sich unmittelbar aneinanderreihen, weil sie einerseits einen Stecker, andererseits eine Buchse an den gegenüberliegenden Seiten trugen, die miteinander kommunizieren und den Strom durchleiten konnten. Fast wie im richtigen Leben ging das. Eigentlich ist es verwunderlich, dass Faller erst 1966 eine eigene Schaltmimik herausbrachte. Immerhin gab es Hausbeleuchtungen, Wasserpumpen, Wind- und Wassermühlen und alle möglichen Bewegungsspiele schon lange im eigenen Zubehörsortiment. Im Katalog 1960/61 ist ein "elektr. Klingel-Stellpult" erwähnt, aber zum Verkauf angeboten wurde es nicht. 1980, zeitgleich mit der letzten Erwähnung des AMS-Systems im Hauptkatalog, hatte auch der Drucktastenschalter 4034 seinen letzten Auftritt. Im AMS-Racing-Programm ist er nie angeboten worden. Vermutlich hat man sich darauf verlassen, dass der durchschnittliche Fallerkunde bereits genug Weichenstellpulte auf seiner Eisenbahn besaß, an denen noch ausreichend Platz für alle anderen elektrischen Schnickschnacks sein würde. Nach Meinung des Autors war das eine grandiose Fehleinschätzung. Oder sollte es vielleicht doch so sein, dass man sich das Wohlwollen der großen Modellbahnhersteller nicht verscherzen wollte, indem man lieber darauf verzichtete mit elektrischen Konkurrenzprodukten auf dem Markt zu erscheinen? Wenn
die nämlich angefangen hätten im Gegenzug Modellhäuser zu produzieren, hätte es eng werden können in deutschen Kinderzimmern und sonstwo. Vielleicht hatten ja auch ein paar Hinweise nebenbei geholfen, weit weg von kartellrechtlich bedenkenswerten Tatbeständen, nur so en passant, im Presseclub auf der Spielwarenmesse oder bei der Wahl zum schrägsten Zubehör des Monats oder wo auch immer. Immerhin, als der Drucktastenschalter endlich im Katalog erschien, war er überhaupt nur auf den AMS-Seiten zu finden, und kein Wort wurde darüber verloren, dass auch alles andere elektrische Modellbahnzubehör damit geschaltet werden konnte. Wenn Sie aber einmal nur zwei motorisch getriebene Mühlen mit der Modelleisenbahngrundplatte in Resonanz erlebt haben oder das Sturmläuten der Dorfkirche neben dem Brunnen, der sein Echtwasser langsam in den Spanplattenuntergrund verteilt, während sich die Pumpe trocken heiß läuft, können Sie sicher nachvollziehen, welch' wichtiges Detail ein Ausschalter auf der Anlage darstellt.
Dem Drucktastenschalter ist es übrigens völlig egal, welchen Pol und was überhaupt für eine Art Strom er leitet, und so machen wir uns das zunutze um eine Ausweichstelle als Parkplatz zu betreiben. Wir wollen, dass ein Auto abbiegt (das heißt Abzweigung schalten bzw. tasten), in eine Ausweichstelle (Bus-Halt, Tankstelle o.ä.) einfährt und dort stehenbleibt, während ein weiteres Fahrzeug auf der gleichen Spur in Gang gesetzt werden kann. Das soll auch bei Gleichstrombetrieb funktionieren, also ohne die Notwendigkeit eines Halbwellenbetriebs. Eigentlich soll jede Art von Stromversorgung für die Autos möglich sein. Die Ausweichstelle muss sich also stromlos schalten lassen. Kein Problem! Wir nehmen einen Drucktastenschalter 4034 und führen die separate Stromversorgung für das isolierte Fahrbahnstück der Ausweichstelle von der Anlage einfach zur gelben Eingangsbuchse an der Seite und dann zu einer der blauen Buchsen wieder heraus zur Ausweiche. Dort reicht es ja zum Stehenbleiben, wenn einer der beiden Fahrstrompole unterbrochen ist. Halten wir den Taster gedrückt oder fixieren wir ihn in dieser Stellung, dann fließt der Strom, und wir können das Fahrzeug steuern. Wollen wir es unbeeinflussbar stehenlassen, drehen wir einfach ein wenig am Taster, der rastet wieder aus (soll auch sonst gelegentlich bei anderen Individuen vorkommen), und Strom fließt nicht mehr. So weit, so gut. Dazu brauchen wir zweimal 4034, weil einer ja den gelben Pol für die Weichenstellung leitet, der andere muss den Fahrstrom leiten, den wir mit dem Regler steuern. Es geht aber auch eleganter: eine kleine Unterbrechung des Messingflachbandes (Mini-Seitenschneider oder Mini-Trennscheibe) am Boden im Inneren des Drucktastenschalters macht aus einem Gerät sofort zwei Geräte. Jedes hat nun zwei Schalter. Oder eins drei und das andere einen, je nach Wunsch. Jedes Teil holt sich nun seinen eigenen Strom über die jeweils benachbarte seitliche Buchse oder den Stecker. Es reicht also ein 4034 für zwei Weichen und zwei Parkplätze, genug für eine Tischanlage, wo eine Batterie von Schaltern sowieso keinen rechten Platz fände.
So hat das Faller mit den Parkplätzen beim Container-Car und bei der Autoverladung zum Ende der AMS-Zeit auch gemacht. Diese Autos konnten dank ihres hinteren zweiten Führungsstiftes rückwärts fahren wie Modellbahnlokomotiven. Sie wurden nur nicht mit Gleichstrom, den man am Trafo umpolt, sondern mit entweder der einen oder anderen Halbwelle versorgt. Dafür gab es ein eigens konstruiertes Schaltpult, wo man die Halbwelle auswählen und insgesamt vier abgetrennte Fahrbahnabschnitte wahlweise stromlos stellen und damit dort Autos parken konnte. Zum Glück musste das die ehemals freundliche Inhaberin des kleinen Haushaltswarenladens am Platz vorne, der auch ein paar Faller-AMS-Artikel im Sortiment geführt hatte, nicht mehr miterleben, denn sie hatte ihr Geschäft da bereits aufgegeben. Dummerweise haben wir damals den Ausverkauf versäumt. Aber ihr Mann wusste noch zu berichten, dass jede weitere Verdrahtungsvariante mit dem Label Faller sie unweigerlich in einen Zustand permanenter geistiger Umnachtung gestürzt haben würde, und das war wirklich nicht zu verantworten. Indes, der feine Unterschied der Container-Car-Parkplätze zu unseren Ausweichstellen ist in der Tatsache begründet, dass die Faller-Parkplätze Sackgassen darstellten. Aus diesen führt bekanntermaßen nur ein Weg wieder heraus, nämlich der, der hineingeführt hat. Also fährt man ein Auto in eine Sackgasse, stellt diese stromlos, schaltet eine andere an und fährt mit dem anderen Auto dort heraus. In einer Ausweiche, beispielsweise einer Boxengasse, geht das anders: ein Auto rauscht herein, der isolierte Abschnitt wird stromlos gestellt, während ein zweites Auto seine Runden dreht. Soll das zweite Auto nun zum Service einberufen werden, muss es auch auf einem stromlos zu stellenden Fahrbahnstück abgestellt werden können. Entweder gönnt man sich den Luxus von zwei Ausweichstellen nebeneinander, oder man schaltet zwei isolierte Fahrbahnabschnitte direkt hintereinander. Beide sind nun stromlos. Der zweite Wagen fährt in den hinteren Abschnitt ein und bleibt automatisch stehen. Nun wird der vordere Abschnitt angeschaltet, und das erste Auto kann ausfahren. Damit das aber später wieder in den zweiten Abschnitt einfahren kann um das zweite Auto abzulösen, muss jenes in den ersten Abschnitt vorrücken. Das geht so: vorne stromlos stellen und hinten kurz auf den Taster drücken, während das erste Fahrzeug auf der Anlage bewegt wird. Dann schiebt sich der zweite Wagen automatisch einen Abschnitt weiter, und die Boxengasse kann das erste Auto später wieder aufnehmen. Wenn die beiden Abschnitte auseinanderliegen, muss der Anlagenerbauer nur darauf achten, dass das dazwischenliegende Teil mit Anlagenstrom versorgt wird. Sonst bleibt dort jedes Fahrzeug stehen. Und zwar für immer.