In der Zeit von 1975 bis 1985 vertrieb Faller unter der Markenbezeichnung "AMS Racing" Modellautos der Firma Aurora (USA bzw. Kanada). Ob und in welcher Form die eigenen Fahrzeuge der Marke "AMS" ("Auto, Motor & Sport", in den sechziger Jahren von der gleichnamigen VW-Zeitschrift übernommen) noch weiter produziert wurden, oder ob nur noch die Lagerbestände veräußert wurden, ist dem Autor nicht bekannt. Das Fahrbahnsystem, was sich als qualitativ höherwertig gegenüber den Aurora-Straßenteilen erwies (A. Driessen), behielt Faller kaum verändert bei und entwickelte es weiter in Richtung Rennbahn. Die Spurrillen (Schlitze - Slots) wurden um 0,5mm vertieft um durch die Verwendung längerer Führungsstifte (Guide Pins) mehr Spurtreue zu erhalten. Die im Querschnitt finnenförmig ausgestalteten Aurora-Leitkiele klemmten häufig in den AMS-Spurrillen, und deshalb wurden sie durch Stahlstifte ersetzt, die Aurora dann auch für alle anderen internationalen Märkte einsetzte. Faller importierte von Aurora ausschließlich AFX-Fahrzeuge, deren Maßstab zumeist mit 1:64 angegeben wird, ein Wert, der wohl bei kaum einem Modell in allen Proportionen eingehalten ist. Gegenüber dem 1959 von Derek Brand, dem Erfinder der "H0-kompatiblen" Autos, bei Playcraft, England, angewandten Maßstab von etwa 1:72, was zu den englischen Modelleisenbahnen in 00 passen sollte, erlaubte die vergrößerte Karosserie eine breitere Spur und stärkere Motoren. Faller hatte mit der Produktion des Chaparral 1974 der Firma Aurora sehr tief in die Konstruktionsdetails geschaut, und trotzdem bestanden vermutlich mit diesem Auto noch erhebliche Qualitätsprobleme, wie A. Driessen in seinem Büchlein über Auroras internationale Märkte schreibt, sodass sich Faller 1974 entschloss die technisch ausgereiften AFX-Fahrzeuge zu übernehmen. Irgendwie schien der Zug in Richtung höherer Geschwindigkeiten auf den Tischrennbahnen Mitte der siebziger Jahre soweit abgefahren zu sein, dass Faller seine alten Eigenproduktionen bald einzig noch als Verkehrsspiel vermarktete. Die Rennbahn gehörte ab sofort den AFX-Autos, die alle in Singapur hergestellt wurden, weil dort die Löhne vergleichsweise niedrig blieben. Die Anker der Motoren stammen wohl fast ausschließlich von Mabuchi, Japan, zumindest zunächst. Ob später in Singapur auch Anker gewickelt wurden, kann nicht sicher ausgeschlossen werden. Faller hat jedenfalls seine Flachanker selbst produziert. Dem Autor liegt ein Film aus den frühen siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor, in dem die Herstellung eines Flachankerchassis bei Faller in Gütenbach von der Ankerwickelei bis zur Qualitätskontrolle gezeigt wird. Die Blockmotoren waren demgegenüber offensichtlich Erzeugnisse der Firma Bühler, die auch heute noch hochwertige Motoren produziert. So betrachtet wird die Entscheidung für die AFX-Autos vermutlich nicht allein aus technischen Qualitätsüberlegeungen heraus getroffen worden sein, auch wenn das ein Aurora-Mann natürlich gerne vermeldet. Zumindest bei den Original-AMS-Fahrzeugen des Autors lassen sich bis heute keine Qualitätseinbußen feststellen, wenn man vom natürlichen Verschleiß der Reifen einmal absieht. Das "Made in Germany" ist bei allen noch deutlich zu lesen, ahem! Wer sich schon gelegentlich bei der Lektüre dieser Webseiten gefragt hat, was ahem bedeutet, hier die Aufklärung: so wurde in den Comics der Sechziger ein mahnendes Räuspern phonetisch umschrieben, heute vielleicht mit einer Kombination aus "räusper"(50%), "zwinker(30%) und "aufpluster"(20%) oder so etwas ähnlichem ausdrückbar.
Wegen der gewünschten tiefen Straßenlage der Fernost-Flitzer wurden auch die Stromleiter in den Fahrbahnen eine Idee tiefer in das Straßenbett eingelassen, und ihre Enden abgerundet oder angeschrägt, was zumindest bei den frühen AMS-Fahrbahnen nicht üblich gewesen war. Was sich nicht änderte, war der Abstand der Spurrillen, der bei Faller etwas geringer ausfällt als bei Aurora. Deshalb klemmt bei der AFX-Breitreifenfraktion gelegentlich der Überholvorgang besonders in den Kurven. AFX hieß "Aurora Factory Experimental" und wurde bei der Einführung der breiten Karosserien 1972 AF/X geschrieben. Das Chassis war eigentlich nur ein verbreitertes Thunderjet-Chassis, also ein Flachankermotor ähnlich dem Spezialchassis des Faller-Chaparral 1974. Schnell wurden aber größere Magneten eingeführt, die deutlich tiefer auf der Fahrbahn lagen und somit über ihre Magnetkraft auch für ein gewisses Haftmoment des Fahrzeugs auf der Straße sorgen konnten. Wie Sie vielleicht wissen, ist gewiss immer ungewiss, und so war das Haftmoment nicht so gewaltig, dass man mit den Magnatraction-Chassis (so nannte Aurora seine Wunderwaffe) nicht hätte driften können, aber es stellte das Tüpfelchen auf dem I dar, mit dem die Geschwindigkeit einfach etwas besser kontrollierbar war. Faller importierte nur Magnatraction- und G-Plus-Chassis und verkaufte Autos und Bahnpackungen ausschließlich in der Bundesrepublick Deutschland und Westberlin, sowie in der Schweiz. Letzteres ist dem Neuheitenprospekt für 1975 und dem Katalog 1976 zu entnehmen. Die Exportbeschränkung und das Alleinvertriebsrecht hierzulande waren offensichtlich Teile des Abkommens zwischen Faller und Aurora. Aurora verkaufte auch deutschsprachig bedruckte Bahnpackungen zumindest in Österreich und belieferte gleichzeitig in Deutschland die Großhandelskette Metro. Für die Metro-Geschäfte erhielt Faller eine Lizenzabgabe, und Aurora änderte den Markennamen seiner Packungen von Aurora AFX in "Speedline". Speedline war ein eingetragenes Aurora-Markenzeichen für Auto-Rennspiele wie Fallers HitCar, deren erste Packungen übrigens auch den Schriftzug "Speedline" trugen. Vielleicht hat Faller diesen Namen bereits damals schon im Einvernehmen mit Aurora nutzen dürfen. Geschäftsbeziehungen zu Aurora bestanden bereits 1968, denn der "N-Bus" von Faller wurde in den USA von Aurora unter dem Namen "Postage Stamp Bus System" angeboten. Die dazu passende "Postage Stamp Railroad" war ein Minitrix-Produkt. Da Speedline außerhalb der USA keine nennenswerte Verbreitung besaß, nutzte das internationale Management von Aurora diesen Namen kurzerhand und kostenfrei für die Metro-Artikel. Das erklärt, warum man bei Tante Gugel und Onkel Ihbäh unter Speedline gelegentlich verschiedene Aurora-Produktlinien antreffen kann.
Wie lange diese vertraglichen Vereinbarungen galten, ist dem Autor nicht bekannt. Es gibt von Faller AFX-Bahnpackungen und AFX-Autos mit einem "E" hinter der Katalognummer ("E" wie "Eport"?) und ausschließlich englischsprachiger Instruction, die sicher nicht für den deutschen Markt bestimmt waren, und lediglich exterritoriale Warenhäuser der Alliierten Truppen damit beliefert zu haben, erscheint hinsichtlich eines zu vermutenden Missverhältnisses zwischen Aufwand und Effekt nicht wirklich wirtschaftlich. Die Firma Aurora jedenfalls wechselte ihre Besitzer mehrfach, nachdem Ende der sechziger Jahre die Gründer und Geschäftsführer auseinandergingen, und die verbliebenen neue Geldgeber fanden, mit denen sie dann offensichtlich nicht mehr Herr im eigenen Haus waren. Trotzdem waren, blieben und entwickelten sich Innovationskraft und Werbeaufwand stetig weiter, bis im Frühjahr 1983 die nun in Kanada ansässige Firma Konkurs anmelden musste. Auroras Hausanwalt kaufte Markennamen und Rechte und verkaufte beides an den japanischen Lizenznehmer Tomy, der zunächst einmal allen in der Welt verbot irgendetwas unter dem Namen AFX zu vermarkten, weshalb beispielsweise der spanische Lizenznehmer, die Firma Comansi, die den Rest der in Holland gelagerten AFX-Artikel aufgekauft hatte, ihre Lager unter dem Markennamen AFY leerverkaufen musste. Faller wird zum Ende der AMS-Racing-Zeit mit Autos vermutlich knapp gewesen sein und hat sich deshalb bei Tyco versorgt. In der Bahnpackung 3911 von 1985 finden sich zwei Tyco-Fahrregler und zwei Tyco-Autos, und auch in früheren Bahnpackungen (nach dem Aurora-Crash) lagen statt der Aurora-Regler und Autos schon gelegentlich Tyco-Erzeugnisse. Die Tyco-Feuerwehr führte Faller bereits im Katalog für 1983 zusammen mit einem Aurora-Auto, und der Katalog ist garantiert spätestens im Herbst 1982 in Druck gegangen.
Autos und Zubehör der Firmen Aurora und Tyco, die mit Fallers AMS-Racing-Programm den Weg in deutsche Kinderzimmer fanden, sollen hier zur Darstellung kommen. Mangels eigener Anschauung stammen alle Informationen aus den Katalogen, Prospekten und Instructions, den Bahnpackungen und Automodellen selbst, aus Büchern und Referenzlisten von Aurora-Sammlern, sowie dem Internet und nicht zuletzt aus persönlichen Mitteilungen von Sammlern, ehemaligen Mitarbeitern und sonstigen Wissenden. Trotz sorgfältigster Prüfung und Gegenprüfung jeder Information auf ihre Richtigkeit kann keinerlei Gewähr übernommen werden. Alle Markennamen und Abbildungen werden nur zu Identifikationszwecken benutzt und sind urheberrechtlich geschützt. Betrachten Sie also diese Seiten wie alle Hobbywebseiten von collection clasen als nette Geschichten, die sich eine verrückte Sammlergemeinde ausgedacht hat. In unregelmäßigen Zeitabständen werden im nachfolgenden Bilder und Infos über kleine schnelle Autos und das ganze Drumherum zu bewundern sein, wenn man den Link auf der Katalognummer anwählt.