Faller AMS 5650 Ford Capri
Capri heißt die Insel, auf der alle Fischer singen und in ihren Netzen schon lange keine Fische mehr fangen, aber dafür Touristen, das ist viel einträglicher. Von Neapel aus, da, wo unsere Eltern immer wieder behaupteten Maroniverkäufer werden zu wollen, wenn ihnen einmal wieder in Deutschland alles mögliche und unmögliche nicht passte, zumindest vom Neapolitaner Hafen und den Höhen im Norden und natürlich von den Flanken des Vesuv hat man einen herrlichen Blick auf den Golf von Neapel und eben auf Capri. Danach ist das Auto benannt. Also nicht nach dem Golf, das ist ein anderes Auto, sondern nach Capri. Weiß der Geier, was die Ford Company sich bei dem Namen gedacht hatte, vermutlich nicht viel. Nach Angaben eines Schulfreundes, dessen Vater Direktor bei Ford war, sollte die Schleuder eigentlich Mustang heißen wie das ähnlich poppig gestaltete amerikanische Modell, aber irgendwer besaß für Deutschland die Namensrechte auf Mustang, vielleicht ein Pferdefuttermittel-Großhandel oder ein Kondomhersteller - keine Ahnung. Jedenfalls konnte Ford sein Pferdchen nicht Mustang nennen, und da sie es nicht Jeans nennen wollten, tauften sie es Capri. Die Nummer mit den Capri-Fischern, den Pettycoats und Heinz Erhards Italien-Filmen war eigentlich schon slightly out of time, aber Ford glaubte wahrscheinlich in den Siebzigern immer noch an das Fräulein-Wunder. Das war, unter uns, genauso wunderbar wie neunzehnhundertsiebzig Jahre zuvor die unbefleckte Empfängnis, was wir allerdings hier nicht en détail vertiefen wollen. Der Ford Capri jedenfalls kann als der legitime Vorgänger des Opel Manta angesehen werden, zumindest was die automobile Klientel dieses Möchtegern-Sportwagens anging. Unbegreiflicherweise hat allein der Opel Manta später in unzähligen Witzen den ganzen Ruhm eingesackt, während der Capri in dieser Hinsicht leer ausging, obwohl er eine ähnliche Halbstarken-Karre darstellte wie später der Manta, von dem man sagte, sein Fahrer würde - bitte erheben Sie sich für eine Gedenkminute - nach einem tödlich verlaufenen Unfall zwei Dinge hinterlassen: ein Goldkettchen und eine weinende Friseuse. Das war natürlich genauso unwahr wie die Meldung, Opel habe vorgehabt den Manta ohne Beifahrersitz herauszubringen. Warum? Er sollte schmal genug sein, um dem Fahrer zu gestatten beide Arme lässig zu den Fenstern hinauszulegen. Der Capri musste ohne diese Attribute auskommen. Zu seiner Zeit wurde der Markt beherrscht von Ostfriesen-Witzen, und da war wohl für Capri-Witze kein Platz.
Faller hat in seinem Modell den Capri sehr gut getroffen - so hat er wirklich ausgesehen. Na, ja, sagen wir 'mal: bis auf die hintere Formentrennkante, die gab's natürlich im Original nicht, aber das sollte niemanden wirklich stören, denn einen Elektromotor hat der Capri im Maßstab 1:1 beispielsweise auch nicht besessen. Er war die letzte Neuentwicklung eines AMS-Pkw und kam als Fertigmodell immer mit Flachankerchassis zum Verkauf. Blockmotoren in AMS-Capris sind als Bastelergebnis anzusehen, obwohl sie dort genausogut ihren Dienst verrichten können wie in jeder anderen Karosse, denn Platz ist im Capri genug. Allerdings ist die Karosserie auch ohne Motor verkauft worden, und wenn damals jemand einem Blockmotorchassis eine nagelneue Caprihülle überstülpte, zum Beispiel wie in den Bildern mit dem roten Auto geschehen, vollzog sich dieses gleichsam ohne Originalitätsverlust.
Neben dem Mercedes-Benz 280 SL kam nur noch der Capri zu einem nennenswerten Einsatz in den Geschenk-Packungen mit der Auto-Verladung. Hier gab es also gelegentlich auch Fertigmodelle mit einem zweiten hinteren Führungsstift. Das gilt für die Packungen, die nur noch eine einzige Verladerampe beinhalteten, wo eben das Auto den Eisenbahnwagen rückwärts wieder verlassen musste. Eingebaute Selenplättchen, die dazu hinderlich gewesen wären, waren sowieso schon längst durch eigenhändig nachrüstbare und logischerweise extra zuzukaufende Selen-Schleifer ersetzt worden. Die Bilder zeigen recht gut die sehr filigran ausgebildeten seitlichen Stoßstangenenden, die dementsprechend häufig abbrachen, was allein beim robusten Anfassen passieren konnte. Somit ist für Sammler die Unversehrtheit aller vier Enden ein wichtiges und vor allem geldwertes Kriterium. Das gegebenenfalls zum Ankauf anvisierte Objekt der Begierde sollte also auf Bildern von allen Seiten sichtbar sein, sonst kauft man die Katze im Sack, zumindest was die kamera-abgewandte Seite anbelangt.
Die AMS-Capris sind sicheren Wissens in den Grundfarben rot, blau und weiß verkauft worden. Ob

das weiß immer leicht cremeweiß war oder nur so aussah und eigentlich reinweiß sein sollte, ist dem Autor nicht geläufig, eine Variante in deutlichem Cremeweiß ist zumindest nicht undenkbar. Als HitCar-Version scheint es noch andere Farben gegeben zu haben, wie zumindest für die dunkle Rot-Tönung nachzuweisen ist. Jedenfalls gab es auch Capris in Metallic-Lackierungen, und bekanntermaßen präsentieren sich die Grundfarben des Plastikrohlings unter dem Metallic-Lack oft recht exotisch, was besonders den kleinen Bademeister freut, wenn er sich zum Ablaugen in den Hobbykeller zurückzieht.