Faller AMS 5635 Porsche 911
Mit dem Faller AMS Porsche 911 ist das so eine Sache: erstmals erschien er als Porsche 911 bezeichnet und gezeichnet im Katalog 1968. Er war aber schon viel früher im Handel, denn mindestens ein Exemplar dieses Boliden bevölkerte die Rennszene im Freundeskreis des Autors spätestens seit Weihnachten 1966. Dieses Auto war definitiv als Einzelfahrzeug gekauft worden, entstammte also nicht einer Geschenkpackung. Das bedeutet, dass der Porsche 911 klammheimlich seinen Vorgänger, den Porsche 356, unter dessen Katalognummer 4835 abgelöst hatte. Und zwar viel früher als im Katalog ersichtlich. Faller hat den 356 im Katalog auch immer nur "Porsche" genannt. So konnte man ihn still und leise gegen den 911er austauschen, nachdem dessen Vorbild schon eine Weile auf den Straßen präsent war. Eigentlich müsste also der Porsche 911 unter der Nummer 4835 gelistet sein. Sie glauben das nicht? Schrauben Sie 'mal das Chassis Ihres 911er Modells ab und schauen auf die Innenseite der Karosserie. Was sehen Sie dort? Na, bitte: No. 4835. Das ist also die Produktionsnummer und der eindeutige Hinweis, dass der Produktionsbeginn des Faller-AMS-Porsche 911 bereits in den Jahren zwischen 1965 und 1967 zu suchen ist, denn im Katalog 1968, der wie alle Kataloge ja rechtzeitig vor Weihnachten bereits 1967 im Herbst erschien, waren alle Bestellnummern bereits geändert. Diese Änderung war bei Fallers ja mit Sicherheit eine beschlossene Sache zu einem deutlich vor Drucklegung des Kataloges liegenden Zeitpunkt. Da war die Form des AMS-Porsche 911 aber bereits fertig und wurde nie mehr geändert. Die Herstellung des Prototyps und der Formenbau selbst brauchen auch ihre Zeit, also ist die Ablösung des AMS-Porsche 356 spätestens im Frühjahr 1967 auf Kiel gelegt worden. Das ist allerdings immer noch nicht der als gesichert anzunehmende früheste Zeitpunkt der Formenherstellung. Spätestens im Herbst 1965 hatte Faller drei Autos der Anfangsserie aus dem AMS-Programm genommen und den verbliebenen drei Fahrzeugen neue Katalognummern zugeordnet. Darunter war auch der Porsche 356, dessen Nummer von 4822 auf 4835 wechselte. Faller hat den 356 nie anders genannt als "Porsche", und alle Karosserien dieses Autos tragen innen die Produktionsnummer 4822, Typ 1 wie Typ 2. Das bedeutet, dass der Wechsel beim 356 vom Typ 1 auf den Typ 2 nicht erst mit der Umnummerierung stattfand, sondern schon früher, und die Nummer 4835 tatsächlich für den 911er vorgesehen war. Vermutlich sind beide Karosserien entweder eine Zeit lang nebeneinanderher produziert worden, oder der 911er wurde im Katalog nur nicht als 911 angesprochen um ggfs große Lagerbestände des 356 im Handel oder bei Faller selbst leichter abverkaufen zu können, denn ein neuer Porsche war natürlich als stärkste Konkurrenz für ein älteres Porsche-Modell anzusehen. Daher müsste der 911er tatsächlich unter der Nummer 4835 gelistet sein. Aber weil wir hier mit der AMS-Auto-Liste der Chronologie der Katalognummern folgen - irgendeine Ordnung muss ja herrschen, auch wenn's schwerfällt -, registrieren wir die Produktionsnummer nur als solche und belassen es bei der Einordnung unter der 5635, die nach Maßgabe des Katalogs 1968 bedeutet: Auto mit Flachanker-Motor. Ein Flachankerchassis besaß auch der genannte 911 aus dem Freundeskreis von 1966, aber das Chassis gab es da schon zu kaufen, sogar als Einzelbausatz.
So ganz glücklich ist die Karosserie des 911 auch nicht wirklich gelungen. Gegenüber dem 356 erscheint er im Maßstab etwas gröber ausgefallen, vielleicht wegen der sonst zu engen Platzverhältnisse unter der flachen Fronthaube, die wohl möglicherweise zu Beginn des Produktionszeitraumes noch für die Aufnahme eines Blockmotorchassis ausgelegt sein sollten. Deswegen ist eine Mindestlänge erforderlich, und damit er nicht zu lang wirkt, musste er wohl etwas breiter gestaltet sein. An dem 911er-Konvoi oben auf dem Bild sieht man sehr deutlich den seitlichen Inenabstand der Karosserie zu den Rädern und erkennt daran die relative Überbreite des Fahrzeugs, die sich auch im Vergleich zum Mercedes-Benz 230SL nicht abstreiten lässt, denn im Original ist der damalige 911er nicht wirklich breiter, auch wenn bei den späteren Serien - den Porsche 911 gibt es immerhin bald auch schon seit 50 Jahren - die für Männeraugen bewußt weiblich gestaltete Heckpartie das suggerieren soll. Nun, den Vergleich zwischen den AMS-Porschemodellen konnten damals natürlich nur diejenigen ziehen, die auch den 356 in ihrem Rennstall besaßen, aber davon gab es ja nicht wenige, denn einen Porsche wollte jeder sein Eigen nennen können. Deshalb dürften beide Modelle auch sehr häufig nachgefragt worden sein, und vielleicht vollzog sich ja der Modellwechsel auch nur deshalb so heimlich, weil sich der 356 immer noch gut verkaufte. Das frühe Produktionsdatum des 911er-Modells könnte natürlich auch die Bestückung einer der ersten noch schmalen Kartons der Geschenkpackung 4001 im Jahr 1964 oder 1965 erklären helfen. Die
4001 "Grundpackung" ihrerseits sieht ein wenig danach aus, als habe Faller damit schon einmal in Richtung USA-Export geschielt, und da passten natürlich nur die neuesten Mercedes- und Porschemodelle hinein. Auch eine Kooperation zwischen den Erbauern der Originale und der Modelle ist nicht auszuschließen. Immerhin mussten ja die Hersteller der Eins-zu-Eins-Autos mindestens ihr Einverständnis für den Handel mit Modellen ihrer Fahrzeuge gegeben haben, vielleicht haben sie das ja nicht nur bereitwillig getan, sondern auch noch gefördert. Als Werbeträger für einen gemeinschaftlichen Auftritt auf der anderen Seite des großen Teiches ist die 4001 gut vorstellbar, und Porsche wird fraglos darauf bestanden haben anstelle mit dem 356 mit seinem neuen 911 vertreten zu sein. Ist doch denkbar, oder?
Ein Blockmotorchassis passt in der Tat ohne Probleme unter die Karosserie, wie das linke Bild deutlich zeigt. Das 911-Model existiert in zwei Varianten: der ältere Typ 1 besitzt eingesetzte Lampenatrappen, die zumeist aus klarem Plastikmaterial gefertigt sind. Seltener gibt es solche aus dunklerem Rauchglasimitat. Ähnliches gilt für den Fenstereinsatz, dessen Rauchglasvariation beim Typ 1 sehr selten vorkommt, beim Typ 2 gelegentlich. Er sieht dann manchmal auf Bildern wie oben sehr dunkel aus, ist aber im Original nicht vergleichbar mit den schwarzen Fenstereinsätzen vieler US-Slotcars. Der Typ 1 besitzt einen verchromten Lüftungsgittereinsatz in der Motorhaube hinten, der beim Typ 2 nur in der Gehäuseform angedeutet und silbern gefärbt ist. Den Typ 1 gibt es in Gelb, Rot, Blau und Weiß. Diese vier Farben sind ziemlich rein, also ungebrochen, und nicht selten. Etwas dunklere Tönungen existieren in Gelb, Rot und Blau, die sich von den helleren zumeist erst im direkten Vergleich unterscheiden lassen. Das Blau soll auch in einem Grünlichblau vorkommen. Die gebrochenen sind seltener als die reinen Farben. Beim Typ 2 existieren drei unterscheidbare Tönungen von Blau und zwei von Weiß, sowie die Farbe Orange, die durch Sonneneinstrahlung sehr unterschiedlich erscheinen kann. Besonders auf Fotos glaubt man oft verschiedene Orangerot-varianten zu erkenen, deren größte Unterschiede aber durch Lichteinfall und Aufnahmentechnik verursacht sind. Gelbe und rote Typ-2-Porsches scheinen nicht hergestellt worden zu sein. Modelle, die aus den Karosseriepackungen der späten AMS-Zeit stammen, besitzen gelegentlich eine rotlila Metallic-Lackierung. Bei dunkelblauen und weißen Fahrzeugen des Typ 2 (vielleicht auch bei anderen Farben) existieren Modelle mit aufgedruckten Rennziffern in einem runden größen Punkt auf der Fronthaube, zumeist die Ziffer 5, seltener die 8 und noch seltener die 6. Eigentlich ist immer nur der Punkt andersfarbig gedruckt, und die Ziffer erscheint in der Karosseriefarbe.
Als HitCar-Version gibt es (nur?) den Typ 2 in Weiß und Blau mit Rennziffern, sowie orange und rot und alle möglichen Variationen von Grau, die eigentlich immer abgelaugte Metallic-Lackierungen darstellen und als HitCar heute noch viel häufiger vorkommen als abgelaugte AMS-Porsches, obwohl über die Jahre sehr viel mehr HitCars in den Müll gewandert sein dürften als motorisierte AMS-Autos. Das deutet darauf hin, dass exotische Farben eigentlich immer bei abgelaugten HitCars zu finden sind. Die Farbe Rot beim Typ 2 ist als AMS-Fahrzeug bisher noch nicht aufgetaucht, demzufolge wahrscheinlich nicht produziert worden und muss als HitCar angesehen werden. Wie beim Mercedes-Benz 220 scheint die Menge der produzierten Karosserien die Form(en) zunehmend verschlissen zu haben, sodass die Konturen der Türgriffe, Fensterumrandungen und Türspalten mit der Zeit immer weniger scharf ausfielen. Also zeigen unscharfe Konturen entweder das mangelhafte Können des Fotografen oder einen späteren Herstellungszeitpunkt des Modells, anders als im richtigen Leben. Soweit die Hinweise für Hard-Core-Collectors, die das ganze noch ein Ideechen weiter treiben könnten, denn es existieren vielleicht ja noch Fiolen, Einzelstücke und Fehlfarben, die immer beim Farbwechsel auftreten können und normalerweise weggeworfen werden. Halten Sie schon einmal einen Tausender bereit für den Erwerb eines solchen Sammlerstückes, dieser Schein dürfte als Anzahlung adäquat sein, besonders da es keine 1000-Euro-Scheine gibt, und es sich also auch hier um einen Fehldruck von hoher Seltenheit handeln muss.