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Faller AMS Autos

Faller AMS 4871 Lastkraftwagen und 4872 Anhänger mit Pritsche
collection clasen: Faller AMS 4871 Lkw und 4872 Anhänger mit Pritsche

1964 erschien der Lastkraftwagen mit Pritsche erstmals im Katalog als Zeichnung, wie alle AMS-Modelle. Fotos gab es eigentlich immer erst später. Gezeichnet war er bis 1967 durchweg zweiachsig, weshalb die Vermutung naheliegt, dass diese Variante die erste sein musste. Andererseits war auch der Anhänger bis 1967 mit Plane und Schutzblechnachbildungen an der Vorderachse gezeichnet, und so ist er nie verkauft worden. Deshalb lässt sich aus der Zeichnung alleine nicht mit Bestimmtheit sagen, ob die zwei- oder die dreiachsige Version des Lkw zuerst gebaut wurde. Die Tatsache jedoch, dass die dreiachsige Variante den erst 1968 gleichzeitig erschienenen Kranwagen und dem Muldenkipper als Grundlage diente, spricht dafür, dass diese die zweite war. Andererseits war der Lkw erst 1966 im Handel, wenn man den Ankündigungen des Katalogs von 1965/66 Glauben schenkt. 1966 gab es keinen Katalog, und 1967 war der Lkw endlich tatsächlich zum Verkauf angeboten - immer noch in der zweiachsigen Variante. Aber gleichzeitig zeigte Faller auch den neuen Tankwagen, dessen Karosserie bis auf den Tankaufbau mit der des Lkw identisch war, im Katalog, und der war dreiachsig gezeichnet. Vermutlich sind beide Nutzfahrzeuge als dreiachsige Modelle verkauft worden, und Faller hat im Katalog nur die alte Lkw-Zeichnung verwandt. 1968 gab es dann im Katalog die dreiachsige Version als Zeichnung und auch in zwei Fotos zu bewundern. Letztere Tatsache ist wieder ein wenig erstaunlich, wurden doch die Bilder oft sehr viel früher als zum Erscheinungsdatum des Kataloges aufgenommen, was bedeutete, dass der Dreiachser doch schon vorher fertig war. Die dreiachsige Zeichnung und die neue Katalognummer 5771 galten 1968 übrigens auch für den Inhalt der neuen Verkehrspackung 4003, die die 4002 abgelöst hatte. In der 4003 wurde Zeit ihres Verkaufes bis 1976 ein Lkw mit Pritsche und ein VW "Käfer" angeboten. Um so erstaunlicher ist, dass ab 1969 in dieser Packung laut Katalogzeichnung wieder der Zweiachser vorgesehen war, nun mit einer Katalognummer 5770 versehen, während in der Autoliste der Dreiachser mit der Nummer 5771 eingezeichnet blieb. Vollends unklar wird die zeitliche Zuordnung, weil daneben unter den Autobausätzen der Zweiachser mit der Bestellnummer 5270 erstmals als Neuheit aufgeführt wurde. Keine Sorge, es kommt noch besser: 1971/72 blieb es beim Zweiachser 5770 in der 4003 und beim Dreiachser 5771 in der Liste "Einzelautos für Verkehrsspiele". Keine falschen Assoziationen, bitte, Verkehrsspiele sind nicht vergleichbar mit Doktorspielen. Aber unter der Zeichnung des Dreiachsers stand außer der Nummer 5771 noch "5270 Lastwagen als Bausatz" ohne jeden Hinweis darauf, dass es sich um die zweiachsige Variante handeln sollte. 1975/76 schließlich, im letzten Katalog mit einer AMS-Verkehrspackung, gab es als einzige solche die 4003 mit einem gezeichneten Zweiachser und einem Anlagenfoto, worauf der Dreiachser zu sehen war. Wir stehen wie so häufig staunend inmitten einer verführerischen Welt kleiner motorgetriebener Modellautos und einem genialen Vertriebskonzept höherer Ordnung, vernehmen das Raunen in den heiligen Hallen der Spielwarenabteilungen großer Kaufhäuser, die damals noch mit Gewinn wirtschafteten, und lauschen der Botschaft vom Olymp dreidimensionaler Verkehrserziehung, die uns sagen will: zwei Achsen sind weniger als drei, die kleinere Ordinationszahl kommt vor der größeren, also ist der Zweiachser die erste Version, basta! Aber, wenden wir schüchtern ein, die 5770, pardon, die gab's ja garnicht, also die 5270 kam doch viel später als die 4871 - Ruhe! Allerdings wollen wir ganz zum Schluss und nur am Rande vermerken, dass das Auto des Autors von 1966 drei Achsen besitzt.

Übrigens wurde der Anhänger 4872 bzw. ab 1968 mit der Katalognummer 5972 immer mit Schutzblech über den vorderen Rädern gezeichnet, aber gesehen hat der Autor dort noch nie eins, und auch im Bild oben, das wir einem befreundeten AMS-Fan verdanken, ist keins zu erkennen. Anhänger und Lkw wurden jeweils in einer Karosseriepackung zusammen mit anderen Fahrzeugen letztmalig im Katalog 1979/80 aufgeführt. Ab 1980 gab es aus dem AMS-Sortiment nur noch die Autoverladung und das Containerspiel als Komplettpackung ohne einzeln zukaufbare Fahrzeuge. Irgendwann im Produktionszeitraum wurde das Büssing-Führerhaus durch eine aktuellere Mercedes-Benz-Kabine ersetzt, die allerdings am Frontgrill keinen Stern, sondern ein großes "F" im Kreis spazierenfuhr. Wahrscheinlich ist der Zweiachser nicht mehr mit Benz-Kabine in den Handel gekommen, aber sicher ist das nicht. Weil die Kabinen so leicht austauschbar sind, gehen wir der Einfachheit halber von vier Varianten aus: Büssing und Benz jeweils als Zwei- oder Dreiachser. Eine Detailvariante betrifft sicher nur die späten (Benz-)Karosserien: wegen der seitlichen Ausladung der Drosselspulen bei den Zinkchassis erhielt die Karosserie beiderseits einen höheren Seitenausschnitt.

collection clasen: Faller AMS 4871 Lkw mit Container, Eigenbau

Besonders gut erkennbar ist der höhere Seitenausschnitt und das Fach der (hier defekten) Drosselspule an diesem teilweise zusätzlich kolorierten Modell, bei dem der matte dunkle Farbauftrag im Bereich der seitlichen Karosserie für eine stärkere Kontrastierung sorgt, vergleichbar dem sogenannten "Fotoanstrich" von Dampflokomotiven beim Rollout in der Reichsbahnzeit. Dieser Lkw lag jahrelang mit durchgeschmorten Drosselspulen, mit dem Anker verklebten Kohlen, unterbrochener Stromabnahme und abgebrochenen Kotflügeln ohne Pritsche in einer AMS-Bastelkiste, bevor er bei collection clasen (daher der Aufdruck!) in die Seniorenresidenz eingewiesen wurde und - siehe da - als Demo-Fahrzeug mit Eigenbau-Container wieder auferstand. Seitdem hat er auf Messen und Ausstellungen vor Publikum unzählige Runden auf der kleinen Schaufensteranlage 4003S gedreht und war eindeutig anstatt der graue Star, welche Rolle man ihm eigentlich zugedacht hatte, der Star der Kinderaugen, so wie in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.