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Faller AMS Autos

Faller AMS 4804 Ford 17m "Badewanne"
collection clasen: Faller AMS 4804 Ford 17m «Badewanne»

"Badewanne" war der Spitzname, unter dem das Vorbild des Faller-Modells, der Ford Taunus 17m, so der Original-Ford-Name, bald nach seinem Erscheinen Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts landauf, landab bekannt war. Der 17m war eine echte Familienkutsche, nicht übermäßig komfortabel, mit Kulissenschaltung am Lenkrad, aber recht preiswert, einigermaßen genügsam und mit einem langlebigen Motor aus der jungen Nachkriegsproduktion in Köln ausgestattet. Die Ford-Werke in Köln anzusiedeln war übrigens zum großen Teil Konrad Adenauers Verdienst, als er sich noch nicht vornehmlich um die hohe Politik der jungen Bundesrepublik Deutschland kümmern durfte. In den Nachkriegsjahren hatten die Siegermächte, und das war für Köln die Britische Militärverwaltung, den früheren Oberbürgermeister der Stadt, Konrad Adenauer, als neuen Oberbürgermeister wiedereingesetzt. Der war von den braunen Machthabern seinerzeit aus dem Amt vertrieben und durch den Nationalsozialisten Doleschal ersetzt worden, war selbst nicht NSDAP-Mitglied gewesen und hatte sich vor dem Nazi-Regime ins Kloster Maria Laach flüchten können, eine in den Augen der alliierten Militärverwaltung ideale Besetzung des obersten Stadtrepräsentanten also. Womit die Herren allerdings nicht gerechnet hatten, war der durchaus eigene Kopf dieses Adenauer, der so überhaupt nicht brav und gehorsam allen Wünschen der Militärverwaltung nachkam, sondern sofort ans Werk ging für seine Heimatstadt das beste herauszuschlagen, was ihm in allseitigen zähen Verhandlungen möglich sein würde. Und zäh war dieser Rechtsanwalt, listig bis hinterlistig und genügsam, was die irdischen Güter anbetraf, also kaum zu korrumpieren, und dazu nie wirklich ernsthaft, sondern jederzeit mit einer gehörigen Portion rheinischen Humors bereit alle brenzligen Situationen zu entschärfen. Ein schwieriger Knochen also, dieser Adenauer, weshalb es dem britischen Oberkommissar irgendwann einfach zu bunt wurde, und er den eingesetzten OB wieder entließ - wegen "erwiesener Unfähigkeit", so übrigens die offizielle Begründung. Das darf man getrost noch einmal lesen: erwiesene Unfähigkeit. Jeder Arbeitgeber, der so etwas heute (2009) in ein Zeugnis schreibt, findet sich postwendend vor dem Arbeitsgericht wieder. Nicht so natürlich die britische Militärverwaltung. Die hatte ihr eigenes Gericht, und das wäre - wen wundert's - sehr milde gestimmt gewesen. Abgesehen davon gab es im Nachkriegsdeutschland keinerlei gesetzliche Grundlage, auf der Arbeitszeugnisse hätten erstellt werden können. So ging also der Ex-Ex-OB Adenauer von der städtischen Bühne ab und widmete sich der Bundespolitik, und das, wie wir alle wissen, mit außerordentlichem Erfolg. Adenauer hat übrigens viele Jahre später, als er längst Bundeskanzler war, dem dann pensionierten ehemaligen britischen Militärgouverneur einen Orden verliehen. Bei der Verleihungszeremonie hat Adenauer auch die Begründung geliefert: "politische Weitsicht". Hätte er, der Militärgouverneur, ihn, Adenauer, damals nicht entlassen, hätte die bekannte bundespolitische Karriere womöglich garnicht stattgefunden. Das ist ein Beispiel für klassisch-rheinische Denkweise, und jetzt können Sie sich vorstellen, warum dieser OB den sachlichen Briten nicht in den Kram gepasst hatte, auch wenn der britische Humor eigentlich das Verständnis hätte fördern müssen, aber es ging um politische Macht und Durchsetzungsvermögen, nicht um Humor. Das ist in Köln übrigens im Karneval heute noch so.

Die "Badewanne" indes wurde zu einem echten Renner für die Ford Company, und Faller hat das Vorbild sehr wirklichkeitsnah getroffen. Als das AMS-Auto auf den Markt kam, brachte Ford bereits das höherwertige Modell, den 20m, heraus. Faller hat sehr schnell mit einer Formänderung reagiert und dem 17m eine neue Front- und Heckpartie à la 20m spendiert. Allerdings war diese zweite Karosserie-Version ein Kuriosum, nicht Fisch und nicht Fleisch, eine 17m-Karosse mit der Front und dem Heck eines 20m. Nur folgerichtig wurde dieses Unikum ab 1970 durch eine völlige Neukonstruktion, den sehr authentisch durchgestalteten Ford 20m mit der Katalognummer 5534, ersetzt. Hier auf dem Bild umrundet der 17m in seiner ersten Variante, noch ohne angesetzte Front- und Heckchromteile, die Burg "Schloss Lichtenstein", wie Faller die im Maßstab viel zu klein geratene Anlage auf dem Burgberg nannte, dessen Rundung genau in den AMS-Bogen 4390 hineinkonstruiert worden war.

collection clasen: Faller AMS 4804 Ford 17m «Badewanne» Typ 1 und Typ 2

Den Unterschied in Front- und Heckpartie zwischen Typ 1 und Typ 2 des Ford 17m kann man in den Bildern leicht nachvollziehen: Während die Karosserie des Typ 1 aus einem einzigen Stück besteht, dessen Chrompartien aufgemalt sind - so, wie das alle sechs Fahrzeuge der ersten Generation 1963 aufwiesen -, finden sich beim Typ 2 die Chromteile als separate Plastikapplikationen angesetzt. Diese Teile wurden unverändert für die Karosserie des Ford 20m übernommen. Solche Ersatzteile, die findige AMS-Freaks heute bereits in Metall gießen, sind also untereinander austauschbar. Im Heck der Typ-1-Karosse befindet sich übrigens die Halteklammer für das Heckgewicht, eine simple Bleiwalze, die allerdings in diesem Modell abhanden gekommen ist.

collection clasen: Faller AMS 4834 Ford 17m «Badewanne» Bausätze von Typ 2 und von 5534 Ford 20m

1965 bereits hatte Faller drei der sechs Anfangsmodelle aus dem Katalog genommen und den drei verbliebenen neue Nummern zugeordnet. So wurde aus der Katalognummer 4804 Ford 17m die 4834 Ford 17m. Vermutlich dürfte auch das der Zeitpunkt der Formänderung von Typ 1 auf Typ 2 gewesen sein. Gleichzeitig wurde ein Großteil der Karosserien erstmals als Bausätze angeboten, die zunächst einfach zur Unterscheidung von den Komplettautos ein "B" vor ihre Nummer erhielten. Es gab tatsächlich auch einen 17m-Bausatz mit dieser Nummer, bei dem es sich wahrscheinlich - so selten, wie er ist - immer um den Typ 2 gehandelt haben wird. Sehr viel populärer und damit heute noch häufiger ist der Ford 20m als Bausatz, der nur deswegen hier erwähnt wird, weil er offensichtlich auch unter der Katalognummer 4834 vertrieben wurde, und zwar eigentlich erst ab 1970, als die Bausätze bereits lange kein "B" mehr vor ihrer Nummer besaßen. Die Katalognummer für das Komplettfahrzeug Ford 20m lautete 5534, das ist aber wohl auch in Klarsichtboxen verkauft worden, die noch den Aufkleber mit der Bezeichnung "4834 Ford 17m" trugen. Wahrscheinlich mussten die Boxen erst einmal aufgebraucht werden. Man sieht also, das Katalognummernschema von Faller trägt sehr zum tiefen Verständnis für die firmeneigenen Händlerinformationen bei, die die Inhaberin des kleinen Haushaltswarengeschäftes am Platz vorne wiederholt den Tag in den Aufbaujahren verwünschen ließ, an dem sie sich von dem geschmeidigen Spielwaren-Vertreter die Faller-AMS-Palette ins Schaufenster hatte bugsieren lassen, neben dem Porzellan mit den Blümchen darauf und all' den anderen schönen Dingen, die so einfach zu handhaben waren. Sie kam sich vor wie die Amsel auf dem Kuckucksei, und der kleine Fritz, der ein begeisterter AMS-Rennfahrer war, und nie Geld mitbrachte zum Kaufen, dafür aber tausend Fragen loswerden wollte, konnte die zunehmende Frustration der Ladeninhaberin nur spüren, denn er bekam sie gelegentlich zu spüren, aber verstehen kann er sie erst heute.

collection clasen: Ford 17m «Badewanne» Vorbildfotos

Das Vorbildfoto aus der Ford-Werbung von damals zeigt eigentlich erst so richtig, wie gut der Modellbauer das Original getroffen hatte. Trotz dessen und der Tatsache, dass der 17m im Maßstab 1:1 ein echter Verkaufsschlager war, scheint das Faller-Modell nicht so viel Fans gehabt zu haben, jedenfalls längst nicht so viele wie die beliebten Mercedes-Karossen, die sehr viel häufiger verkauft wurden. Na, das liegt vielleicht daran, dass man sich den Mercedes im Original vielfach erträumte, aber den Ford eher leisten konnte. Im Modell kosteten sie schließlich das gleiche, und da sollte es dann der Benz schon lieber sein als die "Badewanne". Deshalb ist die heute viel seltener und genau deshalb auch - Ironie des Schicksals - unter Sammlern viel teurer. Im Sommer 2009 wurden in der Schweinebucht immerhin für eine simple beige Typ-1-Karosserie ohne alles im gebrauchten Zustand um die 400 Euronen geboten, das sind unter Brüdern mit Versand nach alter deutscher Währung fast 800 Kracher. Dafür hat der Autor damals als Student sein erstes Original-Auto gekauft, immerhin ein superscharfer Karmann Ghia 1600 in Metallic-Blau, der ungezählte Abenteuer im täglichen (und nächtlichen) Betrieb auf Europas Straßen zu bestehen imstande war, bevor der TÜV die Ehe nach Jahren scheiden musste. Dieses Coupé besaß logischerweise zwei getrennte Vordersitze, was bei den alten Limousinen nicht der Fall war. Hier war eine durchgehende Sitzbank üblich, und die war tatsächlich auch für drei Personen zugelassen, ein aus heutiger Sicht untragbares Sicherheitsrisiko.