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Die Faller AMS 4003S "City" Schaufensteranlage 1968




collection clasen: Faller AMS 4003S «City», Abbildung in der AMS-Post «Verkehr»


1968 brachte Faller als Nachfolgerin der 4002 "Standardpackung" die 4003 "Verkehrspackung City" heraus, die in ihren drei Variationen bis 1976 im Katalog erscheinen sollte, was mit neun Jahren Zeitdauer den Rekord für alle Komplettpackungen bedeutet. Irgendwann in diesem Zeitraum, vermutlich auch mehrere Jahre lang, konnten Händler bei Faller eine fertig aufgebaute Anlage zur Dekoration des Schaufensters oder für den Laden erwerben. Diese Anlage bestand aus den Fahrbahnen der 4003 und einer Erweiterung in Form zweier einspuriger Abzweigungen, wie sie in der "Instruction" zur 4003 und in der AMS-Post "Verkehr" (2. Version) abgebildet war. Die Abbildung ihrerseits - Bild oben - basierte offensichtlich nicht auf einem der Schaustücke, sondern auf einem "fliegenden Aufbau" allein für Fotozwecke, zu dem Faller als Grundlage eine grüne Schaumstoffunterlage aus dem Zubehörsortiment benutzte, hier und da ein wenig dunkles Streumaterial herumzuckerte, einige Bäume und Häuser hineinstellte, und dann das Fotoshooting begann. Da im selben Zeitraum für die Kataloge, AMS-Druckwerke und Instructions oft recht viele Anlagenfotos benötigt wurden, kann man davon ausgehen, dass das gleiche Accessoire in wechselnder Zusammenstellung für mehrere ganz unterschiedliche Anlagen herhalten musste. Erst zu ruhigeren Zeiten wird sich das Atelier dem Bau von Schaufensteranlagen gewidmet haben können. Dazu benutzte die Werkstatt eine Spanplatte von 1 cm oder 1,3 cm Dicke und schützte die Kanten durch angeleimte hölzerne Vierkantleisten mit rechteckigem oder L-förmigem Querschnitt, die sie mit rotem bzw. hellgrauem Mattlack im Sprühverfahren versah. Die Platte selbst wurde nicht koloriert, sondern auf der Oberfläche die bereits erwähnte Schaumstoffmatte fest aufgeklebt.


collection clasen: Faller AMS 4003S «City», Version 1 mit Fahrreglern 4031


Dem Faller-AMS-Hobbykollegen Sören Schaefer verdanken wir die Ansicht einer Schaufensteranlage 4003S in der Version mit Fahrreglern 4031, also mit den fest installierten Pulten. Das Bild präsentiert mit großer Wahrscheinlichkeit den originalen Auslieferungszustand der Anlage, wobei die erkennbaren Schäden lediglich der wechselvollen 40jährigen Spielwaren(laden)geschichte geschuldet sind. Die Anlage zeigt sich im rechten Teil um zehn Zentimeter gegenüber dem Katalog-Plan verkürzt, was sowohl im Schaufenster oder im Laden als auch im Versandkarton allseits wohlwollende Zustimmung gefunden haben dürfte. Die Schaumstoffmatte ist nach so langer Zeit restlos vertrocknet und zerfällt bei Berührung sofort ein kleine Brösel. Jeder Finger hinterlässt einen bleibenden Eindruck, was man der Oberfläche sehr deutlich ansieht. Auch die Farbe der Matte, ehemals grün, sieht aus wie die Oberfläche eines unrestaurierten Postwagens der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft. Häuser und Bäume sind mindestens ebenso original von Faller auf ihre Plätze gestellt worden wie die Kirche, bei der das etwas weniger sicher ist, aber doch sehr wahrscheinlich. Auch die Platzierungen des Trafos und der Regler dürften seit Auslieferung unverändert geblieben sein.

Wann wird die Anlage erschienen sein? Vermutlich gab es die ersten Schaufensteranlagen nach 1967, zumindest lässt die bei den bisher gesehenen Anlagen verwendete elektrische Ausstattung diesen Schluss zu, denn es handelt sich immer um Doppelkabelanschlüsse der Fahr- und Handregler. In der Novemberausgabe von "Das Beste", einem illustrierten deutschsprachigen Auszug aus dem amerikanischen "Reader's Digest", der damals in sehr vielen Haushalten anzutreffen war und dementsprechend kiloweise Werbung enthielt, gab sich Faller per Anzeige pünktlich vor der Auszahlung des Weihnachtsgeldes die Ehre. Weihnachtsgeld war eine der üblichen Sozialleistungen geworden im Wirtschaftswunderland und wurde für Beamte am ersten November, den Angestellten am 15. November und den Arbeitern in der Lohntüte der letzten Woche bzw. am Ende November ausgezahlt. Jeder, der zum Fest der Liebe nur unser Bestes wollte, nämlich unser Geld, konnte gewiss sein mit einer synchron geschalteten Werbung zum Weihnachtsgeld schon einmal seinen Anspruch auf dasselbe rechtzeitig angemeldet zu haben, und das war grade für Spielwarenhersteller von entscheidender Bedeutung.

collection clasen: Faller AMS Werbeanzeige im November 1968

Das ist heute auch noch so, wenngleich wir inzwischen unser blaues Wunder mit der Wirtschaft erleben, und die Nummer mit dem Weihnachtsgeld vielerorten unmittelbar von einem Praktikum bei Mannesmann (in die Röhre gucken) abgelöst wurde. Trotz der 68er Studentenunruhen bewegte sich damals das liebe Geld noch recht flüssig in den Adern des Geldkreislaufs, zumindest was die flotte Inflationsrate anbelangte, und ein Werbeetat machte sich zumeist unmittelbar bezahlt. Faller hatte dafür mit der relativ jungen 4003 eine Anlage erbaut, die im Gegensatz zu den Katalogabbildungen als außerordentlich detailreich gelten kann. Die Brücke war vollständig mit Klipsleitplanken und Randstreifen für einspurige Fahrbahnen versehen, nachgerade eine Luxusausstattung. Die Leitplanken waren auch nicht einfach angebracht, sondern an ihren gestutzten Enden jeweils miteinander verklebt. So ergibt sich der vorbildnahe Eindruck von durchgehenden Leitplanken zu beiden Seiten der Auffahrten. Auf der Brücke selbst hatte das Faller-Atelier die alten "Bordstreifen" verwandt, die bereits seit 1963 als Brückengeländer im Katalog angeboten worden waren. Alle zweispurigen Fahrbahnen waren mit Böschungen ausgestattet, weshalb dort Steckleitplanken der alten Art Verwendung fanden - die Klipsleitplanken schließen den gleichzeitigen Anbau von Böschungen an den Fahrbahnen aus, es sei denn, man sägt passende kleine Ausspaarungen in die Böschungen, eine unsägliche Arbeit. Viele Begrenzungspfähle und Randsteine komplettierten das Layout. Schade, dass der Verbleib dieser Anlage nicht dokumentiert ist. Sie tauchte nur in ganzseitigen Werbeanzeigen auf, nie im Katalog, und war vermutlich auch lediglich ein fliegender Aufbau, also nicht fest montiert. Vielleicht hat Faller zeitgleich mit dieser Annonce auch begonnen die Händler mit der 4003S zu beliefern. Wir nehmen einfach einmal an, dass zumindest die Geburtsstunde der 4003S 1968 schlug, obwohl eine Tatsache eher für das Jahr 1969 spricht, nämlich die Verwendung der Anschlussfahrbahn 4702, die in dieser Anzeige noch nicht zu sehen ist, wohl aber in der Anlage von Sören Schaefer.

Da in der Anschlussfahrbahn 4702 - die mit den beiden Pfeilen - eine Halbwellen-Gleichrichtung zum unabhängigen Hintereinanderfahren zweier Autos auf einer Fahrspur fest eingebaut ist, können grundsätzlich vier Autos auf der einfachen Acht ihre Kreise ziehen, wenn sie jeweils mit unterschiedlich gepolten Selenplättchen und Motoren ausgerüstet sind. Allerdings sind nur zwei Fahrregler vorhanden, und die lassen sich nicht einfach für die Halbwellen jeweils umschalten. Stattdessen muss man ihre Stecker an der Anschlussfahrbahn dazu umstecken, was schnell zum Ruin der Stecker und ihrer Buchsen an der Fahrbahn führen kann. Der weiße und der schwarze Stecker sind recht gut zu erkennen, genauso wie die zu erwartende Fummelei beim Umstecken. Die Leitungen sind durch Löcher in der Platte "unterirdisch" verlegt, was deshalb nicht die Lage auf dem Tisch stört, weil die Randleisten nicht nur nach oben, sondern auch nach unten ein paar Millimeter überstehen und so unter der Grundplatte Luft lassen zum Strippenziehen.

collection clasen: Faller AMS 4003S «City», Variante 1 mit Fahrreglern 4031

Vielleicht hatte Faller auch zunächst vor vier Regler auf der Anlage unterzubringen, aber der Raum an der Platte reicht kaum für zwei Mitspieler, hier ist weniger Platz als an einem Roulette-Tisch im Kinderzimmer. Immerhin hätten vier Fahrpulte die Möglichkeit geboten, dass man sich für jede Spur die Halbwelle hätte aussuchen können ohne umzustecken. Vielleicht gab es auch Anlagen, bei denen die Elektrik solcherart aufgebaut war, aber allein die Batterie von Pulten dürfte schon potentielle Kunden irritiert haben, die ja eigentlich ein einfaches Kinderspielzeug kaufen wollten, und so wird man sich das beim Hersteller wohl schnell überlegt haben mit dem Vier-Auto-Betrieb. Für die beiden Abzweigungen gab es ja nach wie vor je nur einen einzigen Knopf zum Draufdrücken, den jeder Spieler erreichen können sollte, und spätestens da biss sich der Hund in den Schwanz. Denn das "Mäuseklavier", der Drucktastenschalter 4034, stand schräg gegenüber neben dem Trafo. Auf der Anlage oben sieht man noch den entsprechenden Abdruck im Schaumstoff. Am Trafo selbst erkennt man die beiden gelben Stecker für je einen Pol der Fahrbahnstromversorgung jeder Spur, den zweiten Pol wird man als braune Steckerverbindung jeweils darunter vermuten dürfen. Der dritte gelbe Stecker versorgte den 4034 mit Saft, die Rückleitungen von den Abzweigungs-Elektromagneten waren entweder unter der Fahrbahn oder unter der Anlage zusammengeführt (verlötet) und ebenfalls über einen braunen Stecker mit dem Trafo verbunden. Damit waren alle sechs Buchsen des Transformators angeschlossen. Beleuchtet hat Faller seine Häuser auf den AMS-Schaufensteranlagen wohl nie, obwohl das grade in der dunklen Jahreszeit sicher einen sehr stimmungsvollen Eindruck hinterlassen hätte. Aber erstens neigten die Birnchen in den Beleuchtungs-Sockeln zu nicht geringer Hitzeentwicklung, was vielleicht besonders bei unbeaufsichtigten Anlagen im Dauerbetrieb als Sicherheitsrisiko eingestuft werden mochte, und zweitens hatte der Trafo mit zwei Autos schon genug zu leisten, da wäre eine Komplettbeleuchtung eher hinderlich gewesen. Auch wenn der Katalog diesen Transformatoren immer sechs Autos zusprach, bei höherer Anzahl der Stromverbraucher wuchs zwangsläufig die Größe der gegenseitigen Beeinflussung. Das heißt im Klartext: Fuhren die Autos schneller, wurde das Licht dunkler. Nicht viel, aber bemerkbar. Nicht so gut für eine Demo-Anlage beim Fachhändler. Die Leitplanken übrigens, die in der Anlage von Sören Schaefer recht sparsam verwendet sind, können im Auslieferungszustand auch häufiger aufgetreten sein. Ihre Machart zeigt zusammen mit der Verwendung der Fahrpulte 4031, dass die Anlage als Version 1 einzustufen ist.


collection clasen: Faller AMS 4003S «City», Version 2 mit Handreglern 4033


Wenn es eine Version 1 gibt, dann muss es folgerichtig auch eine Version 2 geben. Mindestens. Voilà, hier ist sie. Nach fast 20 Jahren Dasein im Keller eines Spielwarenladens zeigten sich die beiden Häuser, die neben der Ausweichstelle standen, nur noch als Ruinen. Allerdings war deutlich zu erkennen, dass es sich um die gleichen Häuser wie auf der ersten Variante gehandelt hatte, nur zu retten war da nichts mehr. Das gleiche galt für das Haus in der Nachbarschaft des Trafos, dessen Position zusammen mit dem Drucktastenschalter 4034 ebenfalls keine Veränderung erfahren hatte. Um der Ausweiche eine echte Funktion zukommenzulassen wurde bei der Restauration Fallers Tankraststelle bemüht, und zwar die farbliche, bauliche und zeitliche Version ohne AMS-Bodenplatte, daher die ungewöhnliche Farbgebung. Eine Kirche stand nicht oder nicht mehr auf der Anlage, allerdings ließ sich auch kein entsprechender Abdruck im ebenso bröseligen Schaustoff erkennnen. Der Schaumstoff selbst fand sich noch deutlich grüner als in der Anlage von Sören Schaefer, vermutlich hatte ihn das fehlende Licht im Keller nicht so stark ausbleichen können. Die Fahrbahnanordnung und die Anlagenkonfiguration sind ebenso wie die Verwendung und Position der Anschlussfahrbahn 4703 identisch, ein Hinweis auf die Authentizität beider Anlagen. Bäume und andere Angehörige heimischer Flora gaben sich nur als vereinzeltes Plastik-Wurzelwerk zu erkennen, also eher ein Fall für die Archäologen.


collection clasen: Faller AMS 4003S «City», Version 2 mit Handreglern 4033


Zwei deutliche Unterschiede zur ersten Version klassifizieren diese Anlage aber als spätere, vermutlich zweite Variante: Statt der Fahrregler 4031 wurden zwei Handregler 4033 verwandt, und als Leitplanken verbaute Faller die letzte Form der durchgehenden Plastikbänder, die nach Bedarf mit der Schere eingekürzt wurden. Sie waren im Katalog und auf der Einzelteilpackung jeweils als Begrenzung einspuriger Brücken dargestellt, wo sie sich optisch besonders gut ausnahmen. Allerdings passt dann wegen seiner Breite kein Lkw mehr durch eine einspurige Kurve, und deshalb hat der Autor bei der Anlagenrestaurierung diese neueren Leitplanken den zweispurigen Fahrbahnen zugeordnet und für die einspurige Brücke wieder auf die Klipsleitplanken zurückgegriffen. Die Plastikbänder waren offensichtlich auch nicht mit den dazugehörenden grünen Plastik-Klips angesteckt, sondern an den Fahrbahnrändern wohl punktgeklebt, zumindest soweit sich das noch eher erahnen als erkennen ließ. Sie richtig haltbar anzukleben gelang mit normalem Pattex, was gut eine Viertelstunde lang ablüftete, nachdem beide Klebeflächen dünn damit bestrichen waren. Man muss allerdings sehr genau arbeiten und vorher die "Rails", wie sie auf englisch genannt werden, sorgfältig anpassen, denn korrigieren lassen sie sich nach dem festen Andruck nicht mehr. Also Fahrbahnkombination nach Reinigung und Funktionsprüfung zusammenbauen, und dann die Leitplanke grade anbringen, so geht das. Dazu braucht man Ruhe, keine Eile. Weil die Enden ein wenig den Eindruck hinterlassen, als seien sie abgeschnittene Plastikflachbänder, was sie ja tatsächlich auch sind, hat der Autor ihnen bei der Rekonstruktion Pfosten vor- und hintenangestellt: einfache runde Endstücke weißer Spritzlinge von irgendwelchen Faller-Bausätzen. Die gibt's umsonst, und die liegen gelegentlich in der Bastelkiste herum. Schauen Sie in Ihrer einmal nach, vielleicht werden Sie dort fündig. Wenn nicht, sind der ausufernden Kreativität nur die Grenzen des eigenen Vorstellungsvermögens gesetzt.

collection clasen: Faller AMS 4003S «City», Version 2 mit Handreglern 4033

Im Bereich der Brücke, die übrigens wie die Häuser nur in vollständig zerstörtem Zustand das Aneinanderstellen von schweren Platten im Keller des Spielwarengeschäfts überlebt hatte, konnte sich der Sponsor des Gesamtkunstwerkes nach Wiederherstellung ein wenig persönliche Image-Werbung nicht verkneifen, sehen Sie's ihm nach. Wer diese Webseiten besucht, kennt den Namen bereits, aber als Brückenwerbung, das hat doch auch etwas. Wie bei den Endlos-Leitplanken klappt das auch nur auf graden Strecken, in den Kurven klemmt sonst der Lkw, der Tankwagen und der Kranwagen, vom Container-Car und vielleicht sogar AFX-Autos ganz zu schweigen. Möglicherweise fragen Sie sich, welche Funktion die der Brücke zu beiden Seiten untermontierten mausgrauen Plastik-Winkel besitzen. Nun, erst einmal sind sie mausgrau, weil sie nicht auffallen sollen, aber das ist nicht ihr wahrer Wert, denn wenn sie garnicht vorhanden wären, würden sie ja noch weniger auffallen. Bestechende Logik. Warum sie nicht auffallen sollen? Nun, sagen wir einmal, um die scheuen Vertreter der puristischen Originalitätstheorie nicht vorzeitig von dieser Webseite zu verscheuchen, das sind mitunter ganz empfindliche Gemüter. Deshalb sprechen wir auch nur hinter vorgehaltener Hand weiter: von Faller gibt es eine schöne überdachte Holzbrücke, die wohl einer sehr bekannten Schweizer Fußgänger-Brücke in Luzern nachempfunden wurde. In Katalogen sieht man da sogar T3-Dampfloks im Modell durchfahren, im Original hätte die Dampflok wahrscheinlich eine Brücke mit derart engem Lichtraumprofil längst abgefackelt. Bei Autos ist das natürlich etwas gaaaaaaaaanz anderes, und der Anlagenrestaurator (oder -verschlimmbesserer) hatte zufällig noch so ein Brückchen da herumstehen, und da dachte er sich - na, ja. Sie sehen es ja nicht, also muss es auch niemand verteidigen. Ach so, die Winkel sind die Auflageflächen für die Brückenkonstruktion, die mangels eigenem Fahrweg einfach aufgesetzt werden kann, und schon sieht die Anlage völlig anders aus. Ursprünglich waren die Auffahrten auch als senkrecht berandete Dämme wieder aufgebaut worden, ließen sich dann allerdings in den Originalzustand zurückversetzen.

collection clasen: Faller AMS 4003S «City», die Brücke

Was von den Dämmen blieb, sind auf die Fahrbahnränder aufgeklebte Pappkartonstreifen mit auf Glanzpapier aufgedruckter Computerschrift in weiß auf kaffeebraunem Grund, die zunächst als Geländer über das Straßenplanum hinausragten, aber weil keine Lkw mehr durch die Kurven hindurchpassten, nicht nur an der Unter- sondern auch an der Oberkante der Fahrbahnen glatt abgetrennt wurden. Damit ist die Schrift halbiert und nicht mehr lesbar, und nur der Architekt dieses epochalen Brückenrekonstrukts weiß um ihre einstige Bedeutung, aber der schweigt. Alles eine Frage des Honorars, werden Sie sagen, und da gebe ich Ihnen recht. Viel bedeutender stellt sich allerdings der Umstand dar, dass die festgeklebten Seitenbänder, die entlang der gesamten Brücke verlaufen, über 15 Jahre trotz vielfachen Transports der Anlage auf Messen und Ausstellungen die gesamte Brücke bombensicher in Form gehalten haben. Nirgendwo ist auch nur die Andeutung einer Spaltbildung zwischen zwei Fahrbahnteilen aufgetreten. Eine sicherlich im Grundsatz überlegenswerte Maßnahme also.

Die Abfahrt von der Brücke kommt Ihnen so vor, als sei eine 20-cm-Fahrbahn mit dem Fön erhitzt, und dann das Plastik in etwa s-förmig verbogen worden zusammen mit den elektrischen Leitern, wobei letzteres nicht wirklich klappte, weil hochkant stehende Metallbänder sich nun einmal wirklich nicht so gut biegen lassen und daher entweder an den Enden oder in der Delle (Aufbiegung der Fahrbahn) deutlich über das Fahrbahnplanum hinausragen, wo sie mit einem in die Bohrmaschine eingespannten Schleifstein abgeschliffen werden müssen, was man beim genauen Hinsehen diesen Stromleitern in der Nähe beider Fahrbahnenden noch ansehen kann? Das kommt Ihnen wirklich so vor? Ernsthaft? Da könnten Sie recht haben.

collection clasen: Faller AMS 4003S «City», die Tankraststelle 1

Die Tankraststelle besitzt natürlich eine funktionsfähige Innenbeleuchtung mit Leuchtdioden sowohl im Tankwartraum als auch im Café Rundblick, separat schaltbar über einen Schiebeschalter im Dach des hinteren Anbaus. Selbstverständlich steht der Tankwart nicht allein hinter seinem eingebauten Tresen, sondern bedient einen Kunden, und die Auslagen seines Verkaufsraumes zeigen sich, wie Faller das mit Dekorationsbögen aus den 50er Jahren so vorgesehen hatte, in dezenter griseliger Offset-Druck-Manier, was allerdings nur auffällt, wenn eine freche neuzeitliche Digitalkamera Nahaufnamen schießt. Das Werbeschild auf dem Dach musste nach Vorgaben der Denkmalschutzbehörden mindestens 100 Meter weit sichtbar sein und soll dereinst als Weltrestaurationserbe von der AMSCO anerkannt werden. Sie haben sicher keine Sekunde daran gezweifelt, dass auch dieses Schild selbstverständlich durch einen Motor in eine Drehbewegung versetzt wird, wieder separat schaltbar durch einen Schiebeschalter unter dem Boden des Cafés. Wie auch sonst? Ohne Reklame wären sicher nicht alle Tische im Cafè besetzt, und der Kellner würde müde am Tresen lehnen anstatt mit seinem vollen Tablett emsig zu bedienen. So ging Wirtschaft in den Fifties, als der Bausatz entstand, und viel hat sich daran bis heute wohl kaum geändert.

collection clasen: Faller AMS 4003S «City», die Tankraststelle 2

Das Shell-Schild übrigens, das die Tankstelle schon von weitem dem Autofahrer ankündigt, besaß nach Abbruch einen viel zu kurzen Mast. Hier half ein passendes Stück Abfall aus einem dreiädrigen Unterputzkabel vom Elektriker: Kupferdraht auf der einen Seite etwas herausgezogen und in ein passendes Bohrloch im Boden angeleimt, Ummantelung am Zaun festgeleimt, Mast oben in die überstehende Ummantelung eingeleimt, und das ganze weiß gestrichen, so ungefähr lauten die Arbeitsschritte, wenn Hobbybastler überhaupt von Arbeit reden wollen. Die Tankraststelle ist nicht dauernd auf der Anlage fixiert, sondern wird durch einen im Tresen der Tankstelle eingebauten Magneten (Schranktürschließer) auf einer in der Anlage eingelassenen Metallplatte festgehalten. Die elektrischen Verbindungen ließen sich durch in einer Mulde unter der Gebäudebodenplatte liegende Minibuchsen und -stecker realisieren, wie sie zur Printplattenmontage gebraucht werden, eine dem Hobby-Elektroniker gut vertraute Technik. So kann man das Bauwerk für den Transport abnehmen und sicher einzeln verstauen.

Ach so, wenn ein Faller-Gebäude beleuchtet wird, neigt es zum Durchschimmern des Lichts durch Ritzen und dünne und besonders die hellen Plastikwände, es sei denn, man kleidet es aus mit schwarzem oder Stanniolpapier. Es geht aber auch anders: Wenn sowieso ein wenig schwarze Farbe im Außenbereich (z.B. Dachrinnen - kein Mensch strich in Deutschland je seine Dachrinnen und die Ablaufrohre rot!) erforderlich wird, lässt sich auch der Innenraum damit lichtdicht gestalten. Er sollte allerdings dann nicht mit Faller-Plastikkleber zusammengebaut werden, sondern mit Alleskleber, der wieder gut abgelüftet ist (Achtung: keine Korrekturmöglichkeit, fester Druck nötig). Plastikkleber löst das Plastikmaterial an und verdunstet dann, "schweißt" also die Bauteile zusammen. Farbe löst er nicht an, und falls doch, verschmiert die Sache so entsetzlich, dass der Bausatz ruiniert ist. Dieses Tankstellen-Café war nun kein Bausatz, sondern ein Schuss vom Flohmarkt, und benötigte mehr die Aufmerksamkeit eines Denkmalpflegers als die eines Baumeisters.

collection clasen: Faller AMS 4003S «City», Variante 2 mit Handreglern 4033

Die Halbwellenmimik hat der Denkmalpfleger allerdings stante pene aus der Anschlussfahrbahn hinausgeworfen einschließlich der Buchsenkonsolen. Das gesamte Arrangement wurde durch eine krisenfeste Diodenschaltung mit Umpolschalter für jede Fahrbahn ersetzt und in der Anlagengrundplatte versenkt. Eine aufgeschraubte kupferkaschierte Pertinaxplatte beherbergt nun in entsprechend eingelassenen Schlitzen die Konsolen, und so lassen sich vier Handregler 4033 zum unabhängigen Steuern von zwei Fahrzeugen je Spur mit einem materialschonenden Einstecken von oben anschließen. Zwar nicht original Faller AMS, aber, hallo, besser, siehe auch unter "elektrische Anschlüsse" im Technik-Kapitel dieser Webseiten. Die Abzweigungen werden ganz konservativ über die Tasten a und b des Drucktastenschalters 4034 geschaltet, sie sind mit Letra-Set-Buchstaben so markiert. Zwei Tasten im 4034 sind noch frei, und die hat sich der Restaurator erlaubt jeweils zwei Fahrbahnabschnitten (10 und 20 cm) vor der Tankstelle zuzuordnen. Auf Tastendruck oder Dauerstellung (Taste drücken und drehen) fließt dort jeweils Strom, und ein Auto kann bewegt werden. Sonst parkt es, was die Einsatzmöglichkeiten der Anlage deutlich erhöht. Die meisten Kabel verlaufen übrigens unter den Fahrbahnen, die selbst mit kleinen Nägeln (Drahtstiften) auf der Spanplatte fixiert wurden. Die Nägel nutzen die am seitlichen Fahrbahnrand eingelassenen Löcher für Straßenschilder, die in den meisten Fällen durchgehend gehalten sind. Es gibt allerdings auch Faller-Fahrbahnen, wo diese Öffnungen als sogenannte "Sacklöcher" ausgebildet wurden, d.h. sie haben einen Boden. Wer da einen Nagel durchtreibt, spaltet die Fahrbahn oder schlägt gar ein Loch heraus. Abhilfe: mit einem kleinen Bohrer das Sackloch durchbohren. Die Nagelköpfe wurden mit weißer Abtönfarbe den Randmarkierungen angeglichen, deshalb fallen sie auf den Fotos kaum ins Auge. Die Fundamente der Brückenpfeiler ließen sich mit Alleskleber - die Methode kennen Sie ja nun zur Genüge - sehr sicher auf der Grundplatte verankern. Die wenigen Kabel, die "unterirdisch" verlegt wurden, sind auf der Plattenunterseite mit Klebestreifen befestigt. Die Platte selbst ruht auf untergeklebten Filzgleitern, das beruhigt Möbeloberflächen und im Zusammenwirken mit der Begrünung durch die Geräuschdämmung auch empfindliche Innenohren.

Jetzt wollen Sie sicher nur noch wissen, wie die AMS-Straßen so elegant in den Boden der grünen Anlage eingelassen wurden, dass ihre Dicke von 0,7 cm nicht mehr auffällt?
Antwort: gar nicht.
Das Grün ist ein Rest Plastik-Rasen aus dem Baumarkt, 0,7 cm hoch.