Außer Slotcars im angenäherten H0-Maßstab stellt(e) die Firma Life-Like noch jede Menge anderes Spielzeug her, unter anderem ein großes Sortiment Modelleisenbahnen. Korrekt muss es wohl heißen: Lässt herstellen, denn die Produktion ist fraglos schon lange aus den USA hinausverlagert worden, wie man anhand der Kartonbeschriftung oben leicht nachvollziehen kann, die übrigens veraltet ist, denn im Jahr 2005 hat die Firma Walthers, die in den USA und woanders viele Hobby Shops mit Modellbahnzubehör beliefert, vom Inhaber die Marken Life-Like (Modellbahnen) und Life-Like Racing (H0-Slotcars) übernommen. Die eigentliche Herstellerfirma hatte in den Anfängen der H0-Modellbahn- und später -Autowelt nach dem Krieg mit der Produktion von Plastikspielzeug begonnen, weil sie ihre Fabrikation auch im Winter in Gang halten wollte. Im Sommer verkaufte sie Plastikkühlfächer und -schränke. Da passte das Weihnachtsgeschäft mit Spielwaren gut in den Jahreskalender. Fast alle Produkte waren und sind auf den heimischen US-Markt zugeschnitten, was man besonders den Automodellen ansieht. Auch heute noch (2010) liegt der Schwerpunkt auf Fahrzeugmodellen der Nascar-Rennserie, für die Life-Like vielleicht eine spezielle Lizenz besitzt, oder lizenzfrei modellbasteln darf, denn Tomy und Tyco haben auch die Nascar-Autos im Programm. Für alle Modellautofirmen ist die in den Staaten populäre Rennserie zudem auch deshalb attraktiv, weil sich die Fahrzeuge eines Herstellers in der Form nicht unterscheiden, aber durch wechselnde Rennstalldesigns, Fahrer, Haupt- und Nebensponsoren unzählige immer neu entstehende Varianten in der Lackierung bedingen, ein relativ leicht zu bedienender Sammlermarkt also, zumindest in den USA. Aber offensichtlich hat Life-Like als eine der ganz wenigen US-Firmen, die daneben auch für den europäischen Markt produzieren ließen, die Kundschaft auf dem alten Kontinent, und hier sogar besonders die zahlungskräftige Klientel in Deutschland im Sinn gehabt. Es gibt da beispielsweise eine Anlage, die wohl hauptsächlich für Deutschland gedacht war, denn die Kartonbeschriftungen und die Aufbauanleitungen sind zuerst in deutscher Sprache verfasst. Es ist dem Autor bis dato nicht bekannt, in welchem Jahr diese Packung das Licht der Slotcarwelt erblickte, aber zur Faller-AMS-Zeit kann das eigentlich noch nicht gewesen sein, denn damals dürfte das deutsche Publikum für eine Firma wie Life-Like noch kaum interessant gewesen sein, und zudem war der Markt stark von Faller dominiert. Eher kommt die Zeit infrage, in der Faller die Aurora-Autos unter ihrer Marke AMS Racing importierte, oder noch später, denn die Vorbilder der Automodelle stammen wohl aus den Anfängen der neunziger oder Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Das Thema der Geschenkpackung war nicht schlecht gewählt: Die Rallye Dakar war unter ihrem ursprünglichen Namen "Paris-Dakar" zu einem weltweit hochbeachteten Outdoor-Motorsport-Event herangewachsen. Zunächst hatte es sich wohl um die spleenigen Aktivitäten einiger Rallye-Verrückter gehandelt, die in den fünfziger Jahren die alten französischen Kolonien auf der anderen Seite des Mittelmeeres beglückten. Wobei die Beglückten sich vermutlich so ernst genommen fühlten, wie es der deutschen Bevölkerung in den kriegszerbombten Innenstädten gegangen wäre, hätten die Aliierten seinerzeit dort Panzer-Verfolgungsrennen inszeniert. Gottlob haben sie das nicht, aber dafür konnten sich die Kolonialherren und alle, die sich auch so gebärdeten, auf dem schwarzen Kontinent einmal so richtig austoben. Der Autor weiß um die triftigen Gegenargumente der Rallye-Befürworter und glaubt auch ganz fest daran, dass jeder Motor, der unterwegs verreckte, nicht einfach vor sich hinölend im Wüstensand stecken gelassen worden ist, sondern selbstverständlich steril verpackt und per Flieger nach Europa zurückgebracht wurde um hier umweltverantwortlich recycelt zu werden. Zwar gab es alle diese feinen Worthülsen damals noch garnicht, aber bestimmt haben die Rennteams schon immer danach gehandelt. Und ganz bestimmt hat jedes einheimische Dorf, durch das die Rallye sich zum Schutze der weißgekleideten Schulkinder nur im Schritttempo bewegte, neben Lärmschutzwällen und neuen Brunnen auch schicke neue Bambushütten erhalten, ganz zu schweigen von neuen Straßen mit Kanalisation, elektrischer Beleuchtung und Fahrradwegheizung. Dass in viele Gegenden heute noch kein Stromkabel hineinreicht, lassen wir hier einmal außer Betracht, denn wir wollen uns ja mit der Life-Like-Anlage beschäftigen, und die hatte immer Strom, zumindest da, wo eine Steckdose existierte.
Life-Like hat viele Rennstrecken in den USA als Modellanlagen herausgebracht oder zumindest deren Namen verwendet. Die Strecken der populären Nascar-Rennserie sind fast alle irgendwann einmal in lizenzierte Life-Like-Kartons verpackt worden, wobei das mit der Lizenz auf den Kartons draufsteht, also wird's schon stimmen. In der Aufmachung ähneln sie einander sehr, als Beispiel sei hier das Deckelbild der "Watkins Glen"-Anlage gezeigt, Bestell-Nummer 9515.
Die Fahrbahnen wurden eigentlich immer aus schwarzem Kunststoff hergestellt und mit roten, gelben, weißen oder gar keinen Markierungen bedruckt. Ob ein Styropor-Inlet regelmäßig zur Serienausstattung der Anlagen gehörte, ist nicht sicher. Viele US-Hersteller verwandten zumindest während der sechziger Jahre im Innern ihrer Kartons Blisterverpackungen oder separate Schachteln. Ein Steckernetzteil gehörte vermutlich zu jeder Anlage. In früheren Jahren dürfte das ein Trafo gewesen sein, und, wie wir gesehen haben, war der gleiche Trafo, den Bachmann als Modellbahntrafo auch noch in den neunziger Jahren angeboten hat, jeweils unter dem Namen des entsprechenden Slotcarherstellers in vielen dieser älteren Packungen vertreten, ein häufig produziertes Teil aus China also, was für das Steckernetzteil vermutlich noch weit mehr zutraf und zutrifft (2010).
Zurück zur "Rallye Dakar": Sieben Meter Fahrbahn versprach der Deckelaufdruck, und dazu bedurfte es eines nicht zu kleinen Platzes. Für den Küchentisch waren diese Anlagen ungeeignet, eher passten sie auf den Wohnzimmertisch der inzwischen gewachsenen europäischen Durchschnittswohnung. Dass man damit trotzdem eine nur 65cm x 130cm große Anlage erstellen kann, sollen die folgenden Bilder zeigen:
Für einen fliegenden Aufbau ist dieses Layout ungeeignet, denn einerseits passt der Brückenpfeiler am hinteren Anlagenrand nicht und muss durch eine geeignete Unterkonstruktion ersetzt werden, und andererseits klemmen die Fahrbahnen unter der Brücke, wo sich die beiden Kreise berühren. Man muss also die Straßenränder seitlich ein wenig ausschneiden, was aber solange in Ordnung bleibt, bis sich dort die beiden Fahrzeuge begegnen, aber das ist sicher selten der Fall.

Nur eine einzige der 90-Grad-Kurven wurde hier nicht verwendet, die sieben Meter sind also nahezu vollständig aufgebaut. Wie bei fast jeder dieser Anlagen herrscht keine Gleichberechtigung, das heißt: beide Spuren sind unterschiedlich lang. Hier ist die äußere Spur um einen Vollkreisunterschied länger, also etwa 20cm, was auf knapp sieben Metern ungefähr drei Prozent entspricht. Diese Ungleichheit ließe sich sogar im Größenrahmen dieser Anlage beheben, wozu allerdings ein paar wenige Fahrbahnen zusätzlich erforderlich würden. Und hier wird's schwierig. Life-Like-Fahrbahnen sind hierzulande nicht gerade häufig, also wartet man geduldig auf ein Angebot bei eh bäh, geht in einen der bekannten Sammlershops oder schaut einmal über den großen Teich. Dort gibt es tonnenweise Life-Like-Artikel, also auch Fahrbahnen. Kleiner, aber feiner Haken: Die sind alle schwarz. Die "Rallye Dakar" ist eine der seltenen, wenn nicht gar die einzige europäische Anlage und ganz sicher die einzige von Life-Like in wüstensandbrauner Pistenfärbung. Nachkolorieren ist schier unmöglich, denn diesen Farbton trifft man mit keiner Farbe zum Aufpinseln. Nur Tyco hatte mit "Racin Bandits" und "Racin Hoppers" ähnlich kolorierte Anlagen im Programm, die wohl jeweils eine Sandgrube nachempfinden sollten. Deren Fahrbahnen sind gelblichbraun, eher lehmfarben, und passen tun sie natürlich weder in der Farbe, an den Fahrbahnenden noch in der Spurbreite. Wir halten mit der Life-Like "Rallye Dakar" also offensichtlich ein recht seltenes Stück in unseren Händen, was vielleicht für die Autos nicht in gleichem Maße gilt, denn einzeln scheint es sie schon einmal öfter gegeben zu haben:
Serienmäßig lagen der Packung ein Citroën und ein Mercedes-Benz bei, die nicht schlecht getroffen sind, wenn man einmal davon absieht, dass das breite Einheitschassis den kurzen Citroën ein wenig wie einen Pfannkuchen aussehen läßt. Zum Inhalt gehörten neben den Autos Brückenpfeiler in Rahmenform, die das Übereinanderfahren gestatteten, und verschiedene Accessoires aus Pappe, mit denen man Dünen, Gewässer und Berge nachbasteln konnte. Sogar ein paar Hütten gab es, die offenbar in der Vorstellungswelt der Herstellerfirma üblicherweise im Wüstensand hierzulande so herumstehen. Diese fehlen in der vorliegenden Packung genau wie eine Papp-Brückenverkleidung, die eine Sprungschanze kaschierte. Das Sprungschanzenteil ist noch vorhanden, aber dessen Aufbau garantiert einen steigenden Bedarf an passenden Fahrzeugen, der nicht mehr so ohne weiteres zu decken sein wird. Das heißt, Life-Like-Fahrzeuge zu beschaffen ist besonders in den Staaten kein Problem, nur europäische bzw. deutsche Modelle sucht man dort und auch auf dem alten Kontinent wie Stecknadeln im Heuhaufen. Entsprechend teuer werden sie denn auch gehandelt. Kommt man mit etwas Glück und 15 Dollar schon an einen Ford Mustang oder ein Allerwelts-Nascar, so werden für ein deutsches Vorbild schon einmal zwischen 60 und 70 Dollar aufgerufen, für einen offensichtlich seltenen Polizei-Mercedes sogar 130 Dollar. Sieh' 'mal an. Life-Like ist ja noch aktiv, also kann jedes Fahrzeug moderner Produktion auch nach- oder weitergebaut werden, denn die Formen werden sie wohl kaum vernichten.

Wohlgemerkt: Es handelt sich nur um einen Unterschied im Karosseriemodell, die Chassis (sogenannte M-Chassis aus dem Erbe der Firma Rokar mit zwei dicken Keramikmagneten, die gleichzeitig als Motor- und Fahrbahnmagneten dienen) sind absolut identisch. Die laufen übrigens, wie der Autor anhand von drei anderen Fahrzeugen lernen durfte, sehr ordentlich weich und ruhig, dafür aber außerordentlich flott. Im Zuge der Vorstellung dieser Automodelle haben sich zwei Ratschläge eingefunden, die gerne an die interessierte Slotcar-Familie weitergereicht werden sollen. Nach Angaben amerikanischer Renn-Enthusiasten sollen die M-Chassis zur Wärmeentwicklung neigen, weshalb empfohlen wird sie nicht häufig länger als drei Minuten am Stück herumzuheizen ohne ihnen eine Abkühlphase zu gönnen. Viele Runden auf einer Faller-AMS-Racing-Anlage während vieler Modellautomessen und Ausstellungen konnten allerdings bisher einem Lieblings-Life-Like-Modell des Autors nichts erkennbares antun. Dabei muss allerdings festgehalten werden, dass ein Renneinsatz, wie er in Slotcar-Rennclubs üblich ist (in Amiland werden wohl fast alle Club-Rennstrecken mit 18 Volt betrieben), nie zur Debatte stand, und dennoch die Wärmeentwicklung schon mit der Hand deutlich wahrgenommen werden konnte. Man kann auch die Plastikabdeckung unter dem Anker ausklipsen, womit die Luftzirkulation verstärkt wird, was den Wärmeabtransport begünstigt. Da sich dadurch natürlich Staub und Flusen schneller in den Motor hineinsaugen lassen, ist diese Aktion aber nicht wirklich günstig bei Teppichanlagen, es sei denn, man einigt sich auf eine drastische Einkürzung der Wartungsintervalle. Hitze soll einer der größten Feinde der Magneten sein. Abgesehen davon sollen aber alle Permanentmagneten mit der Zeit an Magnetkraft verlieren, wenn sie nicht mit einem Eisenteil zwischen ihren Polen überbrückt werden. Wir kennen das von den Hufeisenmagneten aus dem Haushalt, die immer mit einem entsprechenden Flacheisen geliefert wurden. Fluxkollektor heißt dieses Teil wohl in der Fachwelt. Einen solchen Fluxkollektor besitzen die M-Chassis-Motoren auf ihrer Oberseite. Um nun die Unterseite auch damit auszurüsten, wird empfohlen, eine (Eisen-)Unterlegscheibe unter den Chassisboden zu plazieren. Dort kann sie den Flux, den Magnetfluss, sicherstellen, weil die Magneten nach unten nicht abgedeckt sind. Natürlich handelt es sich bei allen aktuellen H0-Slotcars um Fernostprodukte mit Monstermagneten, also können sie nur schnell fahren. Langsam fahren geht nicht, zumindest nicht vergleichbar mit den alten sechziger-Jahre-Schätzchen aus Fallers Flachankerschmiede oder den T-Jets von Aurora, weil das starke magnetische Rastmoment der Breitreifenfraktion die Boliden am Boden kleben läßt wie Klebeband, aber zum Langsamfahren sind sie ja auch nicht gemacht. Sie brauchen diese Bodenhaftung schon allein zum Durchfahren der Vertikalstrecke, die glücklicherweise bei der echten Rallye Dakar in dieser Ausführung noch nicht zum Pflichtprogramm gehört.
Als schicker Aufmacher lag der Packung noch ein wirklich dynamisches Poster bei, das einen Citroën im Wüstensand oder im wüsten Sand oder wüst im Sand herumwühlen zeigt. Sowas passte schon einmal im Kinderzimmer übers Etagenbett, und der zukünftige Rallyefahrernachwuchs konnte sich allabendlich in den Siegestaumel hinüberträumen.
Die vorliegende Anlage zeigt sich technisch und optisch bis auf eine einzige abgebrochene Rastnase an einer 45°-Kurve in fast neuwertiger Verfassung. Der Karton ist hingegen arg mitgenommen, und die wenigen vorgenannten Papp-Accessoires fehlen, oder sagen wir einmal verschämt: die wurden schon früh entsorgt, weil ein paar Basthütten und eine Dschungel-Seilbrücke wirklich zu lächerlich erschienen. So ist das Set nicht mehr ganz vollständig, aber wer oder was ist heutzutage noch ganz vollständig, Autor und Leser natürlich ausgenommen. Ein Styropor-Inlet besaß der Karton übrigens tatsächlich nie, was sich anhand eines fabrikneuen Exemplars dieser Packung inzwischen belegen ließ. Anlagen ähnlicher Größe und Alters mit wesentlich deutlicheren Gebrauchsspuren werden aktuell (2010) in den USA mit 90 bis 130 Dollar gehandelt, und die Preise werden wieder steigen, nachdem die Weltwirtschaft sich wieder erholt, wenn das gleiche für den Arbeitsmarkt gilt. Dessenungeachtet handelt es sich bei der "Rallye Dakar" um eine echte Rarität, die besonders in den USA so gut wie unbekannt sein dürfte, also vielleicht sogar ein "must-have" für Sammler, und Life-Like-Sammler gibt's in den Staaten mehr als hier Faller-AMS-Sammler.