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Die Anderen

collection clasen: Life-Like H0-Slotracing-Anlage «Rallye Dakar»


Andere? Gab's eigentlich auch andere Autobahnen als die von Faller? Klar, die von Carrera, die gibt's ja immer noch (2010), aber die sind größer im Maßstab (ein paar Jahre gab's von Carrera auch kleine Autos und Bahnen) und brauchen viel mehr Platz. Wenn auch die Faller-Autos keineswegs im Maßstab H0 gehalten waren, sondern eher in 1:76 oder 1:64, zumindest die Personenwagen, so galten sie doch als H0-Modellbahn-kompatibel und wurden zunächst als Modellbahnzubehör vermarktet. In Deutschland war Faller damit praktisch konkurrenzlos. In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellten eigentlich nur die Firmen "Rasant" in Franken und "Eheim" (später von "Brawa" - Braun, Waiblingen, übernommen) in Schwaben noch spurgeführte motorisierte "H0"-Fahrzeuge in nennenswerter Anzahl her, zumindest soweit solche Autos in den Spielwarenläden vertreten waren. Zunächst liefen diese Modelle in firmeneigenen Spurtechniken, bevor sie für die Faller-Fahrbahnen entsprechend umgerüstet wurden. Daneben gab es Busse von Heras, übrigens die einzigen wirklich im H0 gehaltenen Fahrzeuge. Spurgeführte Autobahnen, bei denen motorlose Autos durch eine in der Fahrbahn versenkten Spirale oder Kette gezogen wurden, gab's von Arnold, dem langjährigen Modellbahnhersteller der Spurweite N (1:160), und sogar von Brawa, die vermutlich kaum einer je zu Gesicht bekommen hat. Modellautos und Fahrbahnen in größeren Maßstab fertigten auch andere Modelleisenbahnfirmen, u.a. Märklin ("Sprint") und Fleischmann, und sogar Egger hatte mit der "Silberpfeil" eine von Jouef hergestellte große Autorennbahn im Programm, und, man glaubt es kaum, selbst Piko hat in der DDR-Zeit 1:32-Autos mit ihrem Modellbahn-Rundmotor ausgerüstet, aber die großen Bollerwagen sollen uns hier jetzt nicht interessieren.
Wir bleiben im angenäherten H0-Maßstab, und allein der füllt schon ganze Internet-Bibliotheken bis unters Dach.

Wie das Bild oben erkennen lässt, gab und gibt es weiterhin andere Firmen, die kleine spurgeführte Autobahnen herstell(t)en. Dabei handelt es sich nicht nur um die Nachfolger der US-amerikanischen Firma Aurora, deren Autos von Faller bis 1985 unter der Marke "AMS Racing" angeboten wurden. "Model Motoring" nannte sich die erste H0-Automarke der Firma Aurora, die in den Staaten schon H0-Slotcars verkaufte, bevor Faller das System in Deutschland auf den Markt brachte. In den frühen Sechzigern schossen in den USA Slotcarhersteller wie Pilze aus dem Boden, und dort dürften mehrere -zig Millionen (!) Autos ihre Käufer gefunden haben. Heute würde man das schlicht als "Hype" bezeichnen, was sich da auf dem Spielwarensektor und in wirklich ernsthaften Rennclubs abgespielt haben muss.

Aurora-Anzeige von 1962: Rennserie mit dem Hauptgewinn eines Ford Thunderbird

Aurora hat beispielsweie bereits 1962 zusammen mit Ford eine Rennserie aufgelegt, bei der dem Sieger ein niegelnagelneuer Ford Thunderbird im Maßstab 1:1 aus der aktuellen Produktion als Preis überreicht wurde. Bei der oben wiedergegebenen doppelseitigen Annonce sind außer den zeittypischen Darstellungen zwei Details sehr bemerkenswert: Richten Sie Ihren Blick zum einen auf das Banner mit der Aufschrift "Racing Tonite", was soviel heißt wie "Heute Abend Rennen". Doch nicht die Schrift im Stil der Western-Rodeos ist interessant, sondern die kleinen Zeichnungen rechts und links davon. Heute würde man sie Piktogramme nennen. Sie zeigen jeweils eine Hand, die ein Modellauto zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Darunter steht in Großbuchstaben der Name des Hauptsponsors: Ford. Prägen Sie sich diese Hand einmal ein. Sie werden ihr an ganz anderer Stelle auf diesen Webseiten noch einmal begegnen. Das zweite Detail, auf das Sie ein wenig Aufmerksamkeit richten sollten, ist der Ford Thunderbird selbst. Eine schöne Seitansicht in Hellblau finden Sie unten links auf der Doppelseite. Denken Sie sich dieses Auto einmal in Rot und behalten Sie das Bild im Hinterkopf. Sie werden staunen, wo Sie das später wiederentdecken werden.

Aurora-Anzeige von 1972: Einladungsrennen Invitational mit 50.000 Dollar Preisgeld

Noch fast zehn Jahre später, 1971, veranstaltete Aurora ein Invitational, also ein Rennen mit vier eingeladenen echten Grand-Prix-Fahrern, die mit Autos im 1:64-Maßstab gegeneinander antraten. 50.000 Dollar Preisgeld waren dazu ausgeschrieben. Dafür konnte man damals in den Staaten schon ein kleines Häuschen kaufen. Die hier dargestellte Anzeige wurde 1972 plaziert und lässt sehr schön erkennen, wie sich Schreib- und Bildstil in einem Jahrzehnt zur typischen Pop Art der Flower-Power-Generation gewandelt hatten.

Transformatoren verschiedener Marken

Viele der US-amerikanischen Hersteller haben sehr schnell viele Dinge in Hong Kong, Taiwan und später in China herstellen lassen, und so nimmt es nicht wunder, dass bereits vor der flächendeckenden Einführung der Steckernetzteile die Trafos in Eisen- und Autobahnanlagen zwar unterschiedliche Firmennamen tragen, aber offenbar alle aus der gleichen Fertigung in Hong Kong stammten, genauer: von der Firma Kader Industries, die schon vor Jahren die amerikanische Modellbahnfirma Bachmann gekauft hat und nun sowohl in den USA als auch in Europa unter dem Namen Bachmann sich anschickt ein ganz großes Schwungrad zu drehen. Im Gegensatz zum Einheitstrafo scheint man offenbar damals in den meisten Firmen mit Argusaugen darüber gewacht zu haben, dass wenigstens die Fahrbahnen auf keinen Fall mit denen anderer Hersteller zusammenpassten. Zwar liefen die H0-Autos fast alle auf fast allen Fahrbahnen, aber die wiederum passten und passen heute noch garnicht zueinander.

Eigentlich wollte sich der Autor ja allein auf Faller und die Faller-eigenen AMS-Produkte beschränken. Aber nun, da die Webseite (kostenpflichtig - ahem!) mehr Platz bekommen hat, sollen hier auch Bilder von den Anderen zu ihrem Recht kommen, auch von Firmen, die Zubehör zur Faller-AMS-Autobahn herstellten, und der Ordnung halber werden die, die dem Autor bekannt sind, hier nach und nach alfabetisch aufgelistet. Keinesfalls erhebt die Liste im Entferntesten einen Anspruch auf Vollständigkeit, noch sind dem Autor alle Hersteller und ihre spielwarentechnischen Großtaten überhaupt geläufig, und, unter uns: die Befassung mit den Anderen, sofern sie in dieser epischen Detailbreite geschähe wie mit Faller, dürfte bei der dafür zur Verfügung stehenden Freizeit etwa 350 Jahre benötigen, mithin eine Zeitspanne, die vermutlich selbst der härtestgesottene (nicht hartgesottenste, das ist falsch) Slotcarfan nicht abwarten möchte. Wer dazu sachdienliche Hinweise loswerden möchte, kann diese gerne per eMail absondern, vielleicht hilft das ja die 350 Jahre kurzweilig einzuschrumpfen.